Arvid Ong, Gesellschaftliche Relevanz

Welchen gesellschaftlichen Auftrag sollen Musikhochschulen erfüllen? In der Politik wird diese Frage jedenfalls mittlerweile ziemlich unverblümt gestellt. Dieser Frage auszuweichen wird zunehmend unmöglicher angesichts von Rechnungshöfen, die nach Einsparpotenzialen für die staatlichen Etats suchen. Wenn man nun nach gesellschaftlicher Relevanz von Musikberufen fragt, dann ist eine der grundlegenden Voraussetzung dazu:

 

Eine breite, umfassende Ausbildung des musikalischen Nachwuchses. Und das über das Künstlerische hinaus.

Allein die perfekte Beherrschung des musikalischen „Handwerks“ bedeutet für die Absolventen noch keine berufliche Perspektive. Die musikalischen Berufe in dieser Zeit verlangen neben den künstlerischen Fähigkeiten auch pädagogische Kompetenzen und Fähigkeiten in der Vermittlung von Musik. Zukünftige Absolventen der Musikhochschulen müssen, so meine feste Überzeugung, in großem Umfang Lücken in der musikalischen Bildung schließen.

Dafür brauchen Musikhochschulen die von Lehrbeauftragten ausgeübten Tätigkeiten.

Sie brauchen mehr Lehrkräfte der so genannten Nebenfächer. Ich erwähne dies um deutlich zu machen, dass Lehrbeauftragte schon jetzt mehr zur Profilbildung der Musikhochschulen beitragen, als gemeinhin kommuniziert wird. Sie sorgen dafür, dass Musikhochschulen breit angelegte Fächerangebote machen können.

Lehrauftrag als Kostensenkung

Dass Sie das auch so sehen entnehme ich ihrer Stellungnahme:

„Anders als an Universitäten ergänzen Lehrbeauftragte an künstlerischen Hochschulen das Unterrichtsangebot nicht nur, sondern unterstützen wesentlich die Substanz dieses Hochschultyps. Die unzureichende Honorierung der Lehrbeauftragten bedeutet deshalb eine Gefährdung der Spitzenposition der deutschen Hochschulen.“

Dem ist kaum noch etwas hinzuzufügen. Wir nehmen sehr wohlwollend zur Kenntnis, dass an dieser Stelle eine Anerkennung der Leistungen Lehrbeauftragter in der Hochschule ausgesprochen wird. Jedoch was folgt daraus? Wir müssen feststellen, dass genau diese unzureichend honorierten Lehraufträge nachwievor als Mittel zur Senkung von Personalkosten eingesetzt werden.

Es ist richtig: in Politik und Gesellschaft scheint der Glaube stark zu sein, dass staatliche Angebote in Kunst und Kultur im Sinne verantwortlicher Ausgabenpolitik vor allem preiswert sein müssen. Als Lehrer einer Musikschule weiß ich dessen ein Lied zu singen: „Musik ist ein schönes Hobby, aber es darf bitte nichts kosten.“ Und natürlich bleiben auch Musikhochschulen von dieser Vorstellung nicht verschont. Ich denke, dass dieser Discounter-Mentalität in Politik und Gesellschaft entschiedener etwas entgegen gesetzt werden müsste.

Enttäuschung

Wir können es daher auch nicht verhehlen, dass wir ihre Stellungnahme zu den Mindeststandards, bei allem dort formulierten Verständnis für die unbefriedigende Situation Lehrbeauftragter, mit Enttäuschung aufnehmen mussten. Es fehlt uns hier schlicht an einer konkreten Willensbekundung, einen – und ich betone das – Mindeststandard überhaupt zu definieren. Und wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass innerhalb der Hochschulen die von der bklm geforderten Mindeststandards kaum zur Kenntnis genommen werden.

Ich gebe Ihnen recht: für einen nicht unwesentlichen Teil der Maßnahmen, die ergriffen werden müssten, ist politisches Handeln notwendig. Selbstverständlich ist es ein schwieriger Prozess, mehr Geld für Musikhochschulen zu erreichen, setzt es doch in dieser Zeit voraus, dies gut rechtfertigen zu können. Eine vernünftige Beschäftigungssituation mit angemessener Bezahlung für alle Lehrkräfte zu schaffen und einen Beitrag zur innerhochschulischen Ausgeglichenheit zu leisten halte ich in diesem Sinne für ein gutes Argument. Den Willen zu dieser politischen Aussage kann ich allerdings nicht erkennen, wenn Sie schreiben, dass zunächst schlicht die vom Gesetzgeber bestimmte Rechts­stellung Lehrbeauftragter zu respektieren sei.

Kettenverträge

An dieser Stelle wäre es angebracht, sich zu entscheiden: wenn hier die Rechtsstellung des Lehrauftrags gewahrt bleiben soll, dann muss auch seine vom Gesetzgeber gedachte Funktion als Ergänzung der Lehre mitin den Blick genommen werden. Warum werden nachwievor dauerhafte Bedarfe durch Lehraufträge abgedeckt? Diese Tatsache steht im Widerspruch zu der eingangs zitierten Formulierung von der „wesentlichen Unterstützung der Substanz“ in den Musikhochschulen.

Die Auflösung dieses Widerspruchs hieße: erfahrenen und bewährten Lehrkräften an Ihren Häusern Perspektiven verschaffen. Bei der Schaffung von festen Stellen passiert jedoch noch viel zu wenig.

Es wäre an der Zeit zu benennen, was das Gros der Lehraufträge faktisch ist: Es sind verkappte Kettenverträge. Hinsichtlich der derzeitigen politischen Debatte um missbräuchlich eingesetzte Werkverträge kann es nicht die Intention der Politik sein, dass dies weiterhin an deutschen Musikhochschulen mit gesetzlicher Duldung praktiziert wird. Ich glaube, hier wäre ein Punkt, an dem Sie mit der bklm gemeinsam Position beziehen können:

Umwandlung andauernder Lehraufträge in feste Vertragsverhältnisse und Rückführung des Lehrauftrages in seine eigentliche Zweckbestimmung.

Deckelung und Flexibilität

Viele Argumente für den Erhalt des Lehrauftrages in seiner bisherigen Form sind nicht schlüssig. Beispielsweise die Notwendigkeit für Musikhochschulen, schwankende Bedarfe auszugleichen. Es gibt kaum einen Bereich institutionell organisierter Bildung, wo es dieses Problem nicht gibt. Aber kaum in einem dieser Bereiche wird dies derart weitreichend „flexibel“ gelöst wie an Musikhochschulen. Hier gehen die Musikhochschulen einen Sonderweg auf Kosten eines Teils ihrer Lehrenden. Es gibt ausreichend Wege, einen großen Teil der flexiblen Bedarfe in vertraglich festen Beschäftigungsverhältnissen beispielsweise über Teilzeitlösungen zu steuern.

Nebenbei bemerkt: die Einführung einer zeitlichen Begrenzung für Verlängerungen von Lehraufträgen ist keine Lösung, dem Problem der informellen Kettenverträge zu begegnen. Nur so viel: die Befristung von Beschäftigungsverhältnissen schafft keine einzige Stelle und führt zu Perspektivlosigkeit. Ein Beleg hierfür sind die Auswirkungen der Vertragsanschlussbegrenzung bei befristeten Qualifikationsstellen in der Wissenschaft. Es kann nicht ernsthaft unser aller Wille sein, dass dies zur Zukunft des Hochschullehrernachwuchses wird.

Verantwortung und Vorbildfunktion

Welches Vorbild geben wir Musikhochschulabsolventen hinsichtlich ihrer Zukunftsperspektiven mit dieser Personalpolitik? Die Wahrheit ist: für viele von ihnen wird der Beruf ein Kampf um zureichende Bezahlung sein, oft ohne oder immer weniger in festen Beschäftigungsverhältnissen, aber mit vollem Engagement für die Sache. Wozu bilden wir so viele Studierende für ein solches berufliches Niemandsland aus?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin fest davon überzeugt, dass in dieser Gesellschaft Musik in noch viel stärkerem Maße auf hohem Niveau vermittelt und praktiziert werden müsste. Vielleicht ist das Ausbildungswesen im Bereich der Musik – gestatten Sie mir hier ein wenig Pathos - eine der wenigen wirklichen Ressourcen, die wir in diesem Land noch haben.

Umso unverständlicher ist es für mich, dass hier von Seiten der Hochschulen nicht wesentlich entschiedener der Billigmachermentalität im Kulturbereich etwas entgegen gesetzt wird, nicht zuletzt derjenigen, wie sie in den Musikhochschulen bei Lehraufträgen anzutreffen ist. Warum diese Defensive? Lassen wir uns hier von politischer Seite gegeneinander ausspielen? Ist es doch nur die Sorge um den Erhalt bestimmter, als wichtiger erachteter Bereiche? Um eines klar zu sagen: Es darf nicht so weitergehen, dass den im Lehrauftrag arbeitenden Dozenten, zugunsten einer Querfinanzierung der Hochschule insgesamt, eine Verbesserung der Rechtstellung und eine angemessene Bezahlung vorenthalten wird.

Ziele

Unsere Ziele als bklm bleiben klar:

  • Mehr feste Vertragsverhältnisse in allen Bereichen, wo dies aufgrund des Bedarfs geboten ist. Der Lehrauftrag soll nur noch tatsächlich als Mittel zur Ergänzung der Lehre dienen oder in Sonderfällen verwendet werden.
  • Angemessene Lehrauftragshonorare auf Augenhöhe, nach dem Prinzip: gleiches Geld für gleiche Aufgaben.
  • Bessere Einbindung in die Entscheidungsbereiche der Hochschulen.

Uns ist bewusst, dass die politischen Prozesse, die dazu notwendig sind, lang und nervenaufreibend sind. Ich möchte auch nicht verschweigen, dass auch schon einiges in bestimmten Bereichen erreicht wurde. Aber eben noch viel zu wenig und nicht in ganz Deutschland. Dazu bedarf es noch einiger politischer Anstrengungen. Aus meiner Sicht: Gemeinsamer politischer Anstrengungen. Ich möchte Sie daher einladen, gemeinsam mit uns daran zu arbeiten, die politischen Kräfte von der Notwendigkeit einer Veränderung der Beschäftigungssituation an Hochschulen im Allgemeinen und der Situation Lehrbeauftragter im Besonderen zu überzeugen.

RKM Karlsruhe 2014

 

Friedemann Immer

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich möchte Sie ganz herzlich im Namen der Sprecher der bklm grüßen und mich bedanken, dass wir jetzt schon zum 4. Mal auf die RKM eingeladen wurden, um hier unsere Position zu dem Problem „Lehrbeauftragte an den deutschen Musikhochschulen“ darzulegen und mit Ihnen darüber zu diskutieren.

Ich freue mich, dass ich selbst zum dritten Mal hier sein kann, es wird für mich in dieser Funktion das letzte Mal sein, da ich bei der nächsten bklm im Herbst nicht mehr als Sprecher kandidieren werde. Da liegt es nahe, dass ich mit einem kurzen Rückblick auf die letzten Jahre beginne.

Ich bin diesen April genau 30 Jahre an der HfMT in Lehrauftrag tätig. In meinem Fall bedeutet das: 30 Jahre Hauptfachunterricht in eigener Klasse, dieses Instrument (Barocktrompete) wird sonst von keinem Kollegen in Köln unterrichtet, in den letzten Jahren unterrichte ich  hauptsächlich “Master-Studenten“.

Diese Tätigkeit – 30 Jahre Hauptfachunterricht – entspricht mit Sicherheit nicht dem, was ursprünglich einmal als Lehrauftrag gedacht war. Dabei handelt es sich in meinem „Fall“ um keinen Einzelfall, es gibt bundesweit sehr viele Kollegen, deren Lehrauftrag diesem Profil entspricht! Wir reden hier also nicht von Ausnahmen, sondern von der Realität!

Viele Politiker glauben aber immer noch, dass der Lehrauftrag nur, wie eben ursprünglich mal gedacht, von Musikern mit sonst fester Anstellung im Nebenfach und Nebenjob erteilt wird.

Was hat sich in den letzten 30 – 40 Jahren bzgl. Lehrauftrag getan?

Die Bezahlung ist im Verhältnis zu den Festangestellten immer schlechter geworden! Ich habe das für NRW einmal ausgerechnet: vor 44 Jahren (1970) bekam ein Lehrbeauftragter – auf die einzelne Stunde umgerechnet – ca. 82,3 % des Gehaltes eines C3 Professors. Jetzt, 2014 sind es noch gerade mal 43,7 %, obwohl es in den letzten zwei Jahren in NRW eine Erhöhung der Honorare um ges. 15 % gegeben hat.

 – Die entsprechende Tabelle kann ich Ihnen gerne zur Verfügung stellen.

Feste Stellen im Sinne von „Teilzeitprofessuren“ sind nach wie vor in weiter Ferne. Die Lehraufträge werden immer noch jedes Semester, in manchen Bundesländern jedes Jahr erteilt, sind also verkappte „Kettenverträge“. Viele Lehrbeauftragte befinden sich nach wie vor in prekären Arbeitssituationen – die Umfrage, die wir vor einiger Zeit gemacht haben und, und die wir wie Sie auch als Tendenz sehen, hat gezeigt, dass ca. 60 % der Lehrbeauftragten mehr oder weniger vom Lehrauftrag leben! Sieht man sich die vorr. Rentensituation an, droht da massive Altersarmut!

Es ist ein Skandal: die Wirtschaft boomt, bundesweit wird über Mindestlohn, prekäre Arbeitssituationen und über den Missbrauch mit Kettenverträgen diskutiert und diese Missstände angeprangert – und die Landesregierungen umgehen genau diese Problematik mit juristischen WInkelzügen! Die Arbeitsbedingungen der Lehrbeauftragten ähneln oft denen aus dem vorletzten Jahrhundert!

Es wird in vielen Bundesländern und MHS immer noch nur einige Male pro Jahr das Honorar ausgezahlt, als Abschlag z.B. 3 x pro Jahr. In manchen Musikhochschulen werden nur die definitiv gegebenen Stunden bezahlt: bietet der LB den Unterricht an und ist vor Ort, der Studierende erscheint aber nicht, gibt es kein Geld!

Wenn man in Deutschland einen Handwerker zu sich nach Hause bestellt und diesen Termin vergisst, muss man zumindest die Anfahrt und den Aufwand bezahlen. Die Lehrbeauftragten bekommen normalerweise keine Fahrtkosten erstattet und also manchmal auch den angebotenen Unterricht nicht! Es soll ja Professoren geben, die die Klasse nicht voll haben und auch gelegentlich ihr Deputat nicht erfüllen. Hier wird im Regelfall nicht diskutiert, ob das Gehalt bezahlt wird! Das Gehalt wird – Beamtenrecht – natürlich voll bezahlt!

Vieles wird von den Regierungen vorgegeben, aber man kann doch auch einiges hochschulintern verbessern!

Es ist für mich eine Frage des Vertrauens und der Wertschätzung, dass  das vereinbarte Honorar bezahlt wird und man den Kolleginnen und Kollegen vertraut, dass der Unterricht auch ordnungsgemäß erteilt wird! Dieses kann durchaus hochschulintern geklärt werden, wie es glücklicher- und vernünftigerweise an vielen MHS geschieht!

An dieser Stelle ein Wort zu dem ausgesprochen grauenvollen Begriff „Bestenauslese“. Keine Frage: Einstellungsverfahren sind richtig und sollen prinzipiell offen sein. Auch sollen Bewerber, die nicht schon an den jeweiligen Häusern tätig sind, die Chance auf Stellen bekommen. Und es sollte auch die Leistung der Bewerber ein wichtiges Kriterium für die Besetzung fester Stelle sein. Nicht einzusehen ist jedoch, wenn am Hause tätige Lehrbeauftragte als „hausinterne“ Bewerber aus den Verfahren ausgeschlossen werden. Es ist doch ein Mythos, dass ein externer Bewerber per se mehr Qualität bringt. Es ist ebenso ein offensichtlicher Unsinn, dass ein punktuelles Verfahren mehr Aussagekraft über die Qualifikation hat als eine kontinuierliche Mitarbeit in der Hochschule. Und es ist ebenso ein Mythos, dass es bei in jeder Stellenausschreibung eine gesetzliche Vorgabe für öffentliche Ausschreibung und gegen eine Berufung im eigenen Haus gibt.

Die Frage ist für uns: Was kann die Hochschule bei Bewerbungen und Auslese selbst tun, was ist nicht vom Ministerium vorgegeben?

Dazu eine kurze Betrachtung, wie die Gesetzeslage aussieht. Die Bestenauslese beruft sich auf das Grundgesetz, Artikel 33/2: „Jeder Deutsche hat nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte“. In der neueren Rechtsprechung gibt es aber einige interessante Urteile zu diesem Thema: So kann der Dienstherr die Bewertungskriterien, z.B. jahrelange Unterrichtserfahrung oder Exzellenz selber festlegen. Auch ist es durchaus möglich, eine Stelle nur Hausintern auszuschreiben usw.  

Es liegt also im Ermessen des Dienstherren, hier des Rektorats oder Dekanats, wie eine Stelle ausgeschrieben wird – wenn man es denn will. Leider wird unserer Meinung nach das Prinzip der „Bestenauslese“ oft nur vorgeschoben, um verdienten LB die Chance auf eine Stelle gar nicht erst zu geben!

- Ich stelle auch hier die zitierten Urteile mit Aktenzeichen gerne zur Verfügung.

Auf der letzten Musikmesse in Frankfurt im März haben sie, Herr Ullrich, ein Interview zusammen mit Herrn Karmeier von der DOV für die nmz gegeben, nachzulesen in der letzten Ausgabe der nmz. Das Thema dieses Gesprächs lautete: „Wie viele Musikhochschulen braucht das Land“. Ich habe diesem Gespräch mit einer Kollegin von der bklm zugehört und war im Endeffekt doch recht enttäuscht.

Es wurde intensiv über die Ausbildung zum Orchestermusiker und zum exzellenten Musiker – was sich ja nicht ausschließen muß – gesprochen.

Die Lehrbeauftragten, das Problem der Lehraufträge, die Tatsache, dass ohne die große Gruppe der Lehrbeauftragten die MHS nach allgemeiner Meinung nicht mehr funktionieren würde, kamen von Ihrer Seite in diesem Gespräch gar nicht vor, nur Herr Karmeier erwähnte einmal, dass viele Musiker, darunter auch viele zukünftige LB aus der Hochschule ins Prekariat entlassen würden. Hier wäre eine Chance gewesen, die Öffentlichkeit – neben anderen wichtigen Fakten zu diesem Thema – auch auf diese, nicht nur für viele LB, sondern auch für die MHS existenzielle Problematik aufmerksam zu machen.

Die Umfrage, die wir – auch wenn nur als Tendenz gewertet – zu diesem Thema erstellt haben, wurde auch nicht erwähnt, es wurden nur alle Statistiken zu diesem Thema veraltet und teilweise widersprüchlich genannt.

Nicht nur dieses Gespräch macht für uns fast den Eindruck, dass man dieses heikle Thema, um nicht zu sagen die Misere mit den „Lehraufträgen“ lieber im Haus halten und nicht in die Öffentlichkeit bringen will.  

Wir sind in NRW einen anderen, bisher durchaus erfolgreichen Weg gegangen. Ich möchte mich hier ganz ausdrücklich bei unserem Rektorat in Köln und – soweit ich das beurteilen kann – auch den Rektoraten der anderen NRW MHS für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung bedanken. Ohne das uns entgegengebrachte Vertrauen wäre dieser Weg so nicht möglich gewesen!

Wir haben für uns festgestellt, dass die „Kette“ der wichtigen Entscheidungsträger wie folgt aussieht : Lehrbeauftragte – Rektorat – Ministerium – Finanzminister – Abgeordnete des Landtages.

Da das Rektorat uns sowieso unterstützt, wir an die Ministerin und erst recht an den Finanzminister sowieso nicht „herankommen“, wir also „nur“ mit den entsprechenden Abteilungsleitern im Ministerium reden – der endgültigen Entscheidungsträger aber das Parlament, also die Abgeordneten sind, wenden wir uns direkt an die MdL! Wir haben einen Brief mit allen wichtigen Informationen an alle Abgeordneten geschrieben – das Ergebnis war, dass bei allen großen Parteien eine deutliche Bereitschaft zu Gesprächen mit uns bestand.

Diese Gespräche zeigten uns, dass die Abgeordneten erstaunlich wenig über unsere Situation und die ganze Sache informiert waren! Ich wurde daraufhin zu Gesprächen mit den Vorsitzenden der entsprechenden Ausschüsse der großen Parteien in den Landtag eingeladen. Auch in diesen Gesprächen waren die MdL, die ja in ihrem Spezialgebiet eigentlich informiert sein müssten, sehr überrascht über manche Details, die ich ihnen sagen konnte und musste.

Als Folge lud dann die SPD-Fraktion Vertreter aller NRW Musikhochschulen, der Lehrbeauftragten und anderer Institutionen und Gewerkschaften zu einem Symposium mit dem Titel: „Fraktion im Dialog: Kunst- und Musikhochschulen stärken“ ein. Der für unsere Belange wichtige TOP war „Anforderungen „Guter Arbeit“, u.a. Lehrbeauftragte“.

Über diesen TOP wurde lange und ausführlich diskutiert, als Resumé kann man sagen, dass die Einsicht inzwischen da ist, dass es eigentlich so nicht weitergeht!

Daran arbeiten wir in NRW gerade!

Parallel dazu haben wir Vertreter der MHS in NRW eine „lklm-NRW“ gegründet, um auf die besonderen Bedingungen in NRW eingehen zu können. Wir sind uns durchaus bewusst, dass in NRW andere Bedingungen herrschen als in anderen Bundesländern. Das Grundproblem ist aber das Gleiche geblieben.

Über persönliche Beziehungen, einer unserer LB-Vertreter wohnt im Wahlkreis unserer Ministerin, kam es zu einem Gespräch, in dem die Ministerin die Gründung der lklm-NRW ausdrücklich begrüßte uns sich sehr für unsere Arbeit interessierte.

Diese ganze Entwicklung wurde u.a. ausgelöst durch den Brief, den wir an alle MdL geschrieben haben!

Wir haben uns von Seiten der bklm überlegt, diese Aktion auf das ganze Bundesgebiet auszuweiten und haben diesen Brief als Vorlage den LB-Vertretern aller MHS in Deutschland zur Verfügung gestellt – mit der Idee dahinter, das Gleiche zu tun wie wir in NRW.

Ich hoffe, dass das Echo auch in den anderen Bundesländern ähnlich sein wird.

Wir wollen damit nicht irgendjemanden oder irgendeine Institution umgehen oder gar hintergehen. Wir wollen damit dazu beitragen, die leider viel zu oft prekäre Situation der Lehrbeauftragten an den deutschen Musikhochschulen und damit die Situation an den MHS insgesamt zu verbessern.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!