"Werden den Worten auch Taten folgen? - Was wird aus den Forderungen der bklm?"

Sehr geehrter Herr Präsident,
Sehr geehrte Mitglieder des Vorstands der Rektorenkonferenz,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Herr Prof. Ullrich, nachdem Sie im Herbst bei uns auf der Konferenz der bklm in Köln waren, freuen wir uns heute, mit Ihnen und Ihren Kolleginnen und Kollegen den Dialog fortzusetzen.

 

Herr Friedemann Immer, der Sie herzlich grüßen lässt, ist leider durch ein Konzert verhindert. 

Er wird vertreten von Ulrike Höfer, Pianistin und von der Musikhochschule Freiburg.

Ich bin Karola Theill, ebenfalls Pianistin und unterrichte als Honorarprofessorin im Lehrauftrag an der HfM Hanns Eisler Berlin und leite ebenfalls im Lehrauftrag eine Liedklasse an der HMT Rostock.

Wir haben seit der ‚Frankfurter Resolution’ von 2011 den Eindruck gewonnen, dass die Meisten von Ihnen die untragbare Situation der Lehrbeauftragten durchaus genauso sehen wie wir und, wie uns die Kolleginnen und Kollegen rückmelden, Sie sich in einigen Hochschulen mit den Lehrbeauftragten solidarisch erklären.

Im letzten Jahr haben wir auf der Rektorenkonferenz in Düsseldorf die ‚Mindeststandards’ vorgelegt, die wir für einen ersten Schritt hin zu einem fairen Umgang mit uns Lehrbeauftragten halten. Erfreulicherweise hat die Kanzlerkonferenz daraus eine Vorlage erarbeitet, die auf der Konferenz im Januar von Ihnen offenbar diskutiert wurde.

Leider müssen wir heute feststellen, dass von diesem fairen Umgang an der Basis in den Hochschulen nicht viel umgesetzt wird. Wie wir auch schon in der Abschlusserklärung der 3. Konferenz der bklm festgestellt haben, halten die Hochschulen ihren Anspruch auf Selbstverpflichtung in der Regel nicht ein.

Es zeigt sich an allen Hochschulen immer wieder, dass das Bewusstsein für die besonders labile Situation der Lehrbeauftragten bei den Verantwortlichen und auch bei den festangestellten Kolleginnen und Kollegen nicht zu einem entsprechenden Handeln führt

Um nur ein Beispiel zu nennen:

Solange ein einziger Professor entscheiden kann, dass - wie erst kürzlich geschehen - eine Lehrbeauftragte nach über 20 Jahren absolut bewährten Einsatzes im nächsten Semester nicht mehr dabei ist und sie davon erst 1 Woche vor Semesterbeginn erfährt, solange sind die Lehrbeauftragten der puren Willkür ausgesetzt.

Und wir alle erleben an den Hochschulen, dass wir zwar in der Verantwortung für die Ausbildung absolut gleichberechtigt mit unseren festangestellten Kolleginnen und Kollegen arbeiten, aber, wenn es um Stundendeputate geht, keine Individuen mehr sind, sondern eine verhandelbare und austauschbare Masse von Semesterwochenstunden.

Wenn dieser Ungeist, der bis hinunter in die Abteilungen und Fachgruppen nach wie vor herrscht, herausgefegt werden soll und ein anderer, fairerer Geist Einzug halten soll, dann fragen wir Sie hiermit: was wollen und können Sie dafür in Ihren Hochschulen tun?

Im zweiten Teil meiner Rede möchte ich Sie fragen, was Sie tun und tun werden, damit die Forderungen der ‚Frankfurter Resolution’ von der Politik ernst genommen und umgesetzt werden?

Es gibt Hochschulleitungen und Rektorinnen und Rektoren, die bei öffentlichen Veranstaltungen gezielt die anwesenden MinisterInnen und PolitikerInnen ansprechen, um auf die eklatante Situation der Lehrbeauftragten hinzuweisen.

Es gibt aber auch Rektoren, die die von uns erstellte Umfrage, die eine eindeutige Tendenz der Situation zeigt, in der Öffentlichkeit in Frage und als nicht richtig hinstellen.

Solidarität sieht anders aus.

Die bklm wurde im ersten Jahr ihres Bestehens, auch von Ihnen, nach Zahlen gefragt, die unsere Behauptungen nach den Bedingungen belegen. Wir haben sie Ihnen geliefert, auch wenn einige von Ihnen diese nicht akzeptieren.

Aber da die Umfrage von 1/3 der Lehrbeauftragten beantwortet wurde, stehen diese Zahlen als eindeutige Tendenzen im Raum, die u.a. belegen, dass weniger als 40% der Lehrbeauftragten zusätzlich zum Lehrauftrag eine feste Stelle, oft auch nur Teilzeit, innehaben und dass für über 60% der Lehrauftrag ein existentiell wichtiger Bestandteil ihres Patchworkeinkommens ist.

Und daher fragen wir Sie heute erneut -
wie sehen Ihre 5-10 Jahres Pläne zur Umsetzung der Kernforderungen der ‚Frankfurter Resolution’ aus,

1.) mehr feste Anstellungsverträge, damit die Lehre nicht durch Lehrbeauftragte sichergestellt muss

2.) eine der Qualität angemessenen Honorierung der verbleibenden Lehraufträge

 

Wir freuen uns auf die Diskussion mit Ihnen  ...

 

Herzlichen Dank!