Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Präsident,

für alle, die mich nicht kennen: mein Name ist Karola Theill, ich bin Pianistin und unterrichte als Honorarprofessorin im Lehrauftrag an der HfM Hanns Eisler Berlin und leite eine Liedklasse an der HMT Rostock.

Herr Friedemann Immer und ich sind hier in unserer Funktion als Sprecher der Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen. Und ich bedanke mich in unserer beider Namen sehr herzlich, dass wir wieder eingeladen wurden.

 

Seit wir vor einem Jahr bei Ihnen in Lübeck waren, ist viel geschehen:

In fast allen Musikhochschulen gibt es jetzt Lehrbeauftragten-Vertretungen, die im regelmäßigen Austausch mit den Hochschulleitungen, also mit Ihnen, stehen. Auch gibt es erfreulicherweise an einigen Hochschulen spürbare Verbesserungen für die Lehrbeauftragten - darauf werde ich noch zurückkommen.

Die Fortschritte aus dem Bundesland NRW wird Herr Immer später darlegen.

In zahlreichen Medien wurde über unsere Initiative bklm und unsere Forderungen aus der ‚Frankfurter Resolution’ berichtet.

In der Bundespolitik gab es im Februar einen Antrag der kulturpolitischen Sprecherin der Grünen/ Bündnis 90, Agnes Krumwiede, zu „Honoraruntergrenzen für Lehrbeauftragte an Musikhochschulen“. Dieser Antrag wurde zwar erwartungsgemäß abgelehnt, dafür wird jetzt eine Arbeitsgruppe der Kultusministerkonferenz zum Thema Lehrbeauftragte an Musikhochschulen eingerichtet, bei der u.a. auch wir, die bklm, beteiligt werden.

Zu Beginn dieses Semesters haben wir auf Anregung von Herrn Prof. Dr. Ullrich an den 24 Musikhochschulen eine Fragebogenaktion unter allen Lehrbeauftragten durchgeführt. Die Ergebnisse dieser sehr aufschlussreichen Umfrage liegen uns jetzt vor und werden Ihnen nachher von Herrn Immer ausführlich dargestellt.

Unser langfristiges Ziel  – sozial abgesicherte Stellen -, ist allen bekannt.

Diese Stellen können nur durch ein Umdenken in der Politik verwirklicht werden. Wir machen uns keine Illusionen darüber, dass dies ein langer Weg sein wird.

Ich wende mich heute mit einem anderen Thema an Sie:

Wir sind bestrebt, auch kurzfristig die Situation der Lehrbeauftragten spürbar zu verbessern und in diesem Punkt gibt es noch sehr große Unterschiede in der Musikhochschullandschaft.

Daher möchten wir Ihnen heute einen Kanon mit Mindeststandards für die Arbeitsbedingungen der Lehrbeauftragten vorstellen, die wir  - wie der Name ‚Mindeststandards’ schon sagt – eigentlich für den notwendigen common sense halten.

 

Status:           Lehrbeauftragte sollten Mitglieder der Musikhochschulen sein

 Das ist leider noch nicht an allen MHS der Fall. Es würde aber grundsätzlich einen hohen Beitrag leisten zum Thema Identifikation mit der Hochschule.

Für alle Hochschulen, wo dies noch nicht der Fall ist, ein Beispiel: an der HfM Dresden können Lehrbeauftragte, die seit 2 Jahren mindestens 5 SWS unterrichten per Antrag Mitglieder der Hochschule werden. 

 

Gremien:       Lehrbeauftragte sollten in den Gremien mitwirken können, ggf. Änderung des Hochschulordnung;

falls eine Mitwirkung im Senat vom  LHG nicht vorgesehen ist, dann Mitwirkung zwar ohne Stimmrecht, aber mit Themenvorschlags- und Rederecht

 Bei dem hohen Anteil, den die Lehrbeauftragten zur Lehre an den meisten Hochschulen beitragen, müsste es selbstverständlich sein, dass sie auch an den Entscheidungsprozessen beteiligt sind. In einigen Hochschulen ist dies auch der Fall und Lehrbeauftragten-Vertreter haben einen Sitz im Senat.

Bei den anderen, wäre es wünschenswert, dafür ggf. die Grundordnung der Hochschule zu ändern, wie es z.B. die MHS Frankfurt gemacht hat.

Sollte dafür sogar das Landeshochschulgesetz geändert werden müssen – was wiederum ein langfristiges Thema wäre -  gibt es auch die Lösung, die wir z.B. an der HMT Rostock haben: dort bekomme ich als Lehrbeauftragten-Vertreterin  eine Einladung in den Senat, habe zwar kein Stimmrecht, jedoch immerhin ein Themenvorschlags- und Rederecht.

Nach diesen mehr formalen Punkten, komme ich jetzt zu einem Thema, das den Umgang mit Lehrbeauftragten betrifft:

 

Kommunikation:    sollte ein Lehrauftrag nicht verlängert werden, sollte im vorherigen Semester rechtzeitig ein Gespräch mit dem/r Lehrbeauftragten darüber                              geführt werden

Immer wieder erreichen uns aus etlichen Hochschulen Hilferufe von Lehrbeauftragten, die erst zu Beginn eines Semesters und dann manchmal nur zufällig durch das Sekretariat oder per unpersönlicher Email erfahren, dass ihr Lehrauftrag nicht fortgeführt wird.

Da für viele Lehrbeauftragte der Lehrauftrag ein wichtiger Bestandteil ihres Einkommens ist, muss es eine Art Vorwarnung geben, damit sie sich rechtzeitig um etwas anderes bemühen können.  – Aber ganz abgesehen davon glaube ich, dass wir alle hier im Raum ein solches Vorgehen aus Gründen des menschlichen Umgangs miteinander nicht akzeptieren können – dennoch kommt es leider sehr häufig vor.

Daher appellieren wir an Sie, in Ihren Häusern sicher zu stellen, dass diese Gespräche durch die verantwortlichen Dekane, Institutssprecher, Abteilungsleiter oder auch durch Sie geführt werden.

 

Kapazitäten:             es sollte möglichst kein neuer Lehrauftrag vergeben werden, wenn andere Kolleg/innen nicht ausgelastet sind

Das Gleiche gilt für die Situation (die leider auch häufig beklagt wird), wenn das Deputat eines Lehrbeauftragten maßgeblich gekürzt wird und dafür ein neuer Kollege/in einen Lehrauftrag erhält.

Sollte es zwingende Gründe dafür geben, kann ja ein Gespräch darüber geführt werden. Ansonsten halten wir es – auch unter dem Gesichtspunkt der Identifikation mit der MHS und des Zusammenhalts innerhalb des Kollegium – für sinnvoller, erst einmal Lehrbeauftragte, die das wollen, auszulasten, bevor Neue hinzugenommen werden.

 

Prüfungsgelder:                  Die Durchführung von Prüfungen durch Lehrbeauftragte sollte grundsätzlich honoriert werden. Das Spielen bei Prüfungen von lehrbeauftragten Korrepetitor/innen sollte angemessen, also deutlich höher honoriert werden

Der Zeitaufwand, Prüfungen durchzuführen, dazu im gesteigerten Maße nach der Einführung von BA und MA, ist uns allen bekannt. Daher ist es uns umso mehr aufgefallen, dass es Hochschulen gibt, die Prüfungsgelder bezahlen und andere, die das nicht tun. An einigen MHS müssen Lehrbeauftragte sogar unterschreiben, dass sie die Prüfungen „freiwillig“ abnehmen.

Wir sehen keinen Grund, warum Lehrbeauftragte ihre Arbeitszeit unentgeltlich für Prüfungen zur Verfügung stellen sollten?

Zumal bei uns häufig die Tatsache beklagt wird, dass Lehrbeauftragte Prüfungsaufgaben von festangestellten Kollegen/innen übernehmen müssen, die sich ihrerseits für diese Zeit entschuldigen...?

In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass die Beaufsichtigung von Klausuren natürlich auch eine Prüfungsleistung ist und z.B. an der HfM Berlin seit dem letzten Semester auch honoriert wird.

Ein besonderer Aspekt ist das Spielen der Korrepetitor/innen in Prüfungen, da dieses einen enormen Vorbereitungsaufwand und eine konzertreife Präsenz erfordert. Auch hier geht die HfM Berlin mit sehr gutem Beispiel voran: seit diesem Semester bekommen Korrepetitor/innen für das Spielen von Prüfungen den gleichen Stundenlohn, wie den im Lehrauftrag vereinbarten.

 

Diplomarbeiten:                 Die Betreuung von Diplom- und Hausarbeiten sollte angemessen honoriert werden

Ein ähnliches Thema ist die Betreuung von Diplom- und Hausarbeiten.

Da gibt es an den Hochschulen mehrere praktikable Lösungen: entweder kann man einen angemessen hohen Pauschalsatz festlegen, wie z.B. an der MHS Nürnberg oder einigt sich auf eine bestimmte Stundenzahl, wie an der HMT Rostock, wo 5 Stunden für eine Arbeit honoriert werden. Ob man damit ausgleichen kann, dass manche Arbeit viel aufwändiger, manche aber auch schneller beurteilt werden kann, sei dahin gestellt. Jedoch kann nicht verlangt werden, dass dies im Rahmen des Lehrauftrages zusätzlich geleistet wird, wie es leider noch an manchen Hochschulen üblich ist.

 

Überstunden:                      Es sollten Wege gefunden werden, um ständig anfallende Überstunden auszugleichen   (Werkvertrag o.ä.)

Wie wir alle wissen, sind es ja oft die immer gleichen Lehrbeauftragten, die die immer anfallenden Extraarbeiten und Überstunden leisten. Da schon keine wirklich angemessenen Honorarerhöhungen in nächster Zeit in Sicht sind, finden wir, dass unbedingt Wege gefunden werden sollten, diesen Lehrbeauftragten anderweitig Extragelder zukommen zu lassen, z.B. durch Werkverträge.

 

Anpassung:              Nach einer gewissen Dauer des Lehrauftrages sollten Lehrbeauftragte automatisch Erhöhungen des Honorars bekommen                                     

Zur Zeit gibt es kaum Möglichkeit der ‚Beförderung’ bei Lehraufträgen. Nur an der Hochschule in Nürnberg scheint man nach einigen Jahren der Zugehörigkeit über die Höhe des Honorars mit der Hochschulleitung in Verhandlung treten zu können.  Daher regen wir an, dass Erhöhungen des Honorars nach einer gewissen Dauer des Lehrauftrages selbstverständlich sein sollten.

Wenn sogar schon die Leiharbeiter in der Metallindustrie Zulagen durchgesetzt haben, wenn sie längere Zeit  beim selben Arbeitgeber arbeiten, sollte  da nicht irgendeine Art von Regelung auch für uns möglich sein...?

Ich möchte auch andere erfreuliche, sehr zu lobende, kurzfristige Maßnahmen nicht unerwähnt lassen:

so werden an der MHS Köln die Lehraufträge jetzt für ein ganzes Jahr vergeben und nicht nur für ein Semester;

und an der Hochschule in Nürnberg gibt es eine Honorarfortzahlung im Krankheitsfall bis zu zwei Wochen;

 Alle diese Themen sind sicher auch in den Gesprächen zwischen Ihnen und den Lehrbeauftragten-Vertreterinnen an Ihrer Hochschule zur Sprache gekommen und Sie sind mehr oder weniger auf diese Forderungen eingegangen.

Wir von der bklm halten im Vergleich der Musikhochschulen diese, kurzfristig durchaus umsetzbaren, Verbesserungen unserer Arbeitsbedingungen für eine wesentliche Vorraussetzung für die weitere  Zusammenarbeit – nicht nur im Blick auf das gemeinsame Vorgehen gegenüber der Landespolitik.

Sondern vor allem hinsichtlich des Klimas innerhalb der Hochschulen!

Wir Lehrbeauftragte sind zahlenmäßig eine große Gruppe und wir leisten einen hohen Beitrag zum Erfolg Ihrer Hochschulen –
für das Gefühl der Wertschätzung und Motivation unserer Arbeit können diese Mindeststandards einen wesentlichen Beitrag leisten.

Daher appellieren wir sehr herzlich an Sie,  ‚mindestens’ diese an Ihrer Hochschule umzusetzen – und wenn Sie weiter gehen wollen, als nur diese Schritte, werden wir das natürlich sehr begrüßen.

Herzlichen Dank!