PROTOKOLL
DER 1. BUNDESKONFERENZ DER LEHRBEAUFTRAGTEN
AN MUSIKHOCHSCHULEN (BKLM)
22./23. Januar 2011 in der Musikhochschule Frankfurt/M

 

 

Teilnehmer/innen: siehe Anwesenheitsliste (Anlage 1)

 

SAMSTAG 22.1.

 

Eröffnung und Begrüßung

Evelyn Wentz und Carola Schlüter (HfMDK Frankfurt) eröffnen die Konferenz und begrüßen die Teilnehmer/innen. Vertreten sind 19 von 24 Musikhochschulen, zwei Teilnehmer/innen mussten aus Krankheitsgründen absagen. Der Einladung gefolgt waren weiterhin Carmen Ludwig (stellv. Vorsitzende der GEW Hessen), Dr. Dirk Hewig (Vizepräsident des DTKV) und Andreas Bausdorf (Stellv. Geschäftsführer der DOV).
Es schließt sich eine kurze Vorstellungsrunde an.

Dr. Hewig verliest ein Grußwort des Präsidenten des Deutschen Musikrats Prof. Krüger. (Anlage 2)

Carola Schlüter stellt das von ihr entworfene Diskussionspapier unter dem Titel „Frankfurter Resolution – Entwurf und Diskussionsgrundlage“ vor. (Anlage 3)

Thomas Rietschel – Präsident der HfMDK Frankfurt – begrüßt die Teilnehmer/innen und geht auf einige zentrale Punkte des Resolutionsentwurfs ein:
Die dargestellten Fakten träfen zu.
Hochschulen könnten jedoch eine spürbare Erhöhung der LB-Vergütungen nicht aus ihren Haushalten finanzieren. Eine Verbesserung der Situation sei nur über Mittelerhöhungen seitens der Politik realisierbar.
In der Rektorenkonferenz gäbe es zu dieser Problematik unterschiedliche Einstellungen, sie sei aber in der Diskussion.
Eine verlässliche Fixierung von Stunden-Deputaten sei erst jeweils zu Semesterbeginn möglich. Über den Anspruch auf ein bestimmtes Deputat lasse sich  reden.
Die unterschiedliche Bezahlung sei im Zusammenhang mit formalen Unterschieden zwischen Berufungsverfahren (für Professuren) und Auswahlverfahren (bei Lehraufträgen) zu sehen.
Eine höhere Anzahl von Festanstellungen (Mittelbau) sei durchaus im Interesse der Hochschule, würde jedoch für viele LBe eine Nichtverlängerung ihrer Lehraufträge bedeuten.
Rietschel wünscht der Bundeskonferenz eine erfolgreiche Tagung und hofft auf die Entwicklung „erfolgversprechender Wege“.

„Zur Situation der LB an deutschen Musikhochschulen – ein Vergleich (Prof. Friedemann Immer, HS Köln)  Referat und Diskussion *)

 

Fr. Immer stellt den von ihm erhobenen Vergleich der finanziellen und rechtlichen Situation der LBen an deutschen Musikhochschulen vor. Dieser verdeutlicht zum einen die insgesamt prinzipiell mehr als unbefriedigende Situation der LBen, weist jedoch auch eine Reihe von Unterschieden zwischen den Hochschulen aus. Abgefragt wurden u.a. Vergütungssätze (z.T. keine Erhöhung seit Mitte der 90-er Jahre),  Auszahlungsmodus, Fahrtkostenzuschuss, Fortzahlung im Krankheitsfall, Status (Mitglied oder Angehöriger der HS) und Rechte (Vertretung in der Selbstverwaltung mit oder ohne Stimmrecht). Detaillierte Informationen s. Tabelle (Anlage 4). Festzustellen sind auch Unterschiede zwischen den HSen im Hinblick auf die Wertschätzung seitens der HS-Leitungen und/oder die Solidarität innerhalb der Häuser (Professor/innen, Studierende).
Fazit Immer: Nicht zuletzt angesichts des überproportionalen Anteils von LBen zur Sicherung des Lehrangebots (z.T. über 60%) ist das über Jahre praktizierte LA-System überholt. Im Übrigen verstoße es gegen das Grundgesetz und gegen europäisches Recht. Die Alternative zu Lehr-Aufträgen seien arbeitsrechtlich vertretbare Lehr-Verträge.

Das Thema LB aus der Sicht der GEW“ (Carmen Ludwig, GEW Hessen)

 

Die GEW hat sich bisher eher mit der Situation der LBen an Universitäten beschäftigt (z.B Uni Frankfurt). Die Uneinheitlichkeit der Berufsgruppe erschwere eine Mobilisierung. Die GEW kämpfe explizit gegen Ausbeutung und Dumping-Honorare. Sie fordert: Unbefristete Stellen, tarifliche Mindeststandards, Mitbestimmung und Stärkung der Selbstverwaltung. Im Landesverband Berlin existiert eine aktive LB-Gruppe, die sich einsetzt für: eine regelmäßige Erhöhung der Honorare, eine Vergütung von Vor- und Nachbereitungen sowie Prüfungen und Betreuung von Arbeiten. C. Ludwig verweist auf das so genannte „Templiner Manifest“(www.gew.de/Templiner_Manifest.html). Die GEW sichert den LBen ihre Unterstützung zu, wobei eine wirksame  „Stellvertreter-Politik“ auf einer breiten (Mitglieder-) Basis eher gelingen könne.

„Bündnispartner – Institutionen und Organisationen außerhalb der Hochschulen“

(Dr. Dirk Hewig, Vizepräsident des DTKV) / Referat und Diskussion

 

Dr. Hewig gratuliert den Initiator/innen zum Zustandekommen des ersten Kongresses dieser Art. Er stellt den DTKV (Deutscher Tonkünstlerverband) vor,  berichtet von seinen Erfahrungen und Aktivitäten im Zusammenhang mit einer  Verbesserung der Situation der LBen in den vergangenen Jahren insbesondere in Bayern (u.a. die Verankerung der LBen als besondere Gruppe im bayerischen HS-Gesetz). Initiativen in Richtung Rektorenkonferenz in den letzten Jahren haben zu keinen wirklichen Veränderungen geführt, nicht zuletzt mangels einer Lobby für die Interessen der LBen.
Aus Sicht des DTKV muss ein Problembewusstsein in der Öffentlichkeit erzeugt und der Druck auf Entscheidungsträger massiv erhöht werden. Änderungen seien nur auf Landesebene möglich, die HSen dürften jedoch nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Angesichts der Erfahrungen in Hamburg mit einem System von Teilzeit-Professuren erachtet der DTKV allerdings eine Umwandlung aller Lehraufträge in feste Verträge als nicht unproblematisch. Jedoch müssten LAe zu deutlich verbesserten Bedingungen vergeben werden (insbesondere eine Anpassung und eine Dynamisierung der Vergütung).
Als konkrete Unstützung sagt der DTKV die Einrichtung eines Internet-Forums für die LB-Konferenz auf dessen Website zu. Damit könne ein effektiverer Organisationsgrad erreicht, Daten ständig aktualisiert und eine bundesweite Kommunikation ermöglicht werden. (www.dtkv.org)
Die Teilnehmer/innen der Konferenz danken dem DTKV für dieses wichtige Angebot.

Der Pianist Thorsten Larbig (HfMDK Frankfurt) stimmt mit zwei unterhaltsamen Chansons auf das gemeinsame Abendessen ein.

 

 

„Das Lehrbeauftragte – und Freie Musikerprojekt der DOV“
(Andreas Bausdorf, Stellv. Geschäftsführer der DOV)

 

Andreas Bausdorf stellt die DOV (Deutsche Orchestervereinigung) vor: In der DOV sind freie und fest angestellte Musiker organisiert (ca. 13000 Mitglieder, Orchestermusiker zu 95 %). Die DOV ist international vernetzt, kooperiert mit allen relevanten Organisationen zusammen (VdM, VdS, AfS, D-A-C-H, Rektorenkonferenz, Jeunesses Musicales u.a.). Neben dem Tarif-„Geschäft“ gehört zu den Hauptaktivitäten der DOV das politische Lobbying.
A. Bausdorf regt an: Entwicklung von Strategien und Kampagnen – Schaffung von Kommunikationsstrukturen – Schmieden von Allianzen mit anderen Interessenverbänden – PR- und Medienarbeit in Gang setzen – Lobbying planen. Weiter empfiehlt er die Wahl von Sprechern aus dem Kreis der Konferenz und Berichterstattung in Fach-Medien über die Konferenz.

Aussprache:

 

Alle Ressourcen, uns zu artikulieren, sollten nach Möglichkeit genutzt werden, die Mitwirkung großer Organisationen wäre „ein Glücksfall“. – LBe sind eine heterogene Gruppe mit zu wenig Solidarität untereinander. – Ausführlich diskutiert werden Fragen bezüglich einer eventuellen wissenschaftlichen Studie zur Situation der LBen, wie:  Ziele, wissenschaftlich professionelle Durchführung , eigene Ressourcen, Finanzierung. Gegebenenfalls müssten Absprachen getroffen werden mit HS-Leitungen, Rektorenkonferenz und/oder Ministerien. – Rechtlich bewegen sich LAe in einer Grauzone zwischen Arbeitsrecht und HS-Recht.

Abschließende Überlegungen und die Planung der weiteren Arbeit am Sonntag:

 

Einigkeit darüber, dass langfristig gedacht werden muss („für die nächste Generation“) und Forderungen nicht zu schnellen Erfolgen führen werden.
Namensfindung der Initiative
Wahl von Sprechern
Gestaltung eines Internet-Forums
Berichte in den Medien
Beschluss über Resolution (endgültige Formulierung)

Mit einem Glas Wein endete der intensive Arbeitstag.

 

 

 

SONNTAG 23.1.

 

Ulrike Höfer integrierte ihr Referat in die allgemeine Diskussion. Einige ihrer wesentlichen Überlegungen/Anregungen in Stichworten:

Psychologisch wichtig, alle ins Boot zu holen und in zwei Richtungen agieren: Dialog mit den einzelnen HS-Leitungen aufnehmen (Rektoren gewinnen), gleichzeitig in Richtung Politik agieren. Weitere Stoßrichtung Rektorenkonferenz.
Situation an den HSen: größere Autonomie – mangelnde Personaldecke in der Selbstverwaltung – Auswirkungen der Studienreform – häufig Ressentiments seitens der hauptamlichen Professoren – z.T. unterschiedliche Interessenlagen von LBen. – Maximalfoderungen erschweren den Dialog. -  „Einzelkämpfer“ vor Ort  zu sein, ist schwierig (ungeschützter Status, Angst vor Beendigung des LA). – Solidarität   suchen mit den Studierenden: ihr Anspruch auf Kontinuität der Lehre.

 

Diskussion des Resolutions-Entwurfs – Abschnitt I „Fakten“
Wird mit kleinen Korrekturen durch die Konferenz akzeptiert.

Zu II – Abschnitt 2
Soll intern bleiben.

Zu III – Abschnitt 3 „Forderungen“
Ergänzungen / Ergänzende Überlegungen:
Forderung von festen Anstellungsverträgen nach TVÖD für Kolleg/innen im „Kerngeschäft“. – Bei der Besetzung fester Stellen sollen Kolleg/innen mit langjähriger hoher Lehrverpflichtung Vorrang haben. – Die bisherigen  Gegebenheiten sollen in Zusammenarbeit mit den gewählten Vertretern im Hinblick auf die neue Studienstruktur überprüft werden.

Verabschiedung der Resolution
Nach der Mittagspause wird der vorläufige Resolutions-Entwurf verlesen und  inhaltlich einstimmig angenommen. Die endgültige formale Gestaltung wird zeitnah erfolgen. (Anlage 5)

Weitere Vereinbarungen / Beschlüsse:
Die Konferenz beschließt (nach Internet-Recherche) einstimmig, zukünftig die Bezeichnung  „BKLM – Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen“ zu tragen.
Die Konferenz wählt einstimmig zwei Sprecher/innen und vier stellvertretende Sprecher/innen.

Sprecher/innen, die die Konferenz als Ansprechpartner/innen nach außen vertreten sollen, sind:

Evelyn Wentz (HfMDK Frankfurt) – Prof. Friedemann Immer (HfMT Köln)

Vertreter/innen:

Ulrike Höfer (HfM Freiburg) – Carola Schlüter (HfMDK Frankfurt) – Prof. Karola Theill (HfM Hanns Eisler und HMT Rostock) – Eckhart Hermann (HfMT München).

 

 

Die Sprecher/innen werden sich zeitnah treffen, um ggf. eine Strategie im Hinblick auf die im Mai stattfindende Rektorenkonferenz in Lübeck abzusprechen. Sie werden sich weiterhin um die endgültige Fassung der ‚Frankfurter Resolution’ und deren Veröffentlichung kümmern.
Die Arbeit der BKLM wird mit Kosten verbunden sein. Wegen entsprechender Zuschüsse sollen die HSen und ggf. kooperierende Organisationen angesprochen werden.
Sibylle Cada wird einen Bericht für die NMZ verfassen – nach Möglichkeit bis 10.2., damit er noch in der März-Ausgabe erscheinen kann. (Bericht wurde rechtzeitig fertiggestellt.) (Anlage 6)
Die Resolution wird an alle Hochschulen, relevante Organisationen und zuständige Ministerien gehen sowie medial verbreitet werden.
Die Teilnehmer/innen werden in ihren Instituten über die Konferenz und deren Ergebnisse berichten und versuchen im Kollegienkreis eine breitere Basis herzustellen.
Noch in der Diskussion ist, wie zukünftig die interne Internet-Kommunikation der BKLM gestaltet werden soll.
Die Konferenz-Teilnehmer/innen bedanken sich bei  Wentz-Concept Projektstrategie für das kulinarische Sponsoring.

 

Als Termin für die 2. Bundeskonferenz in Berlin wird vereinbart:

 

29. / 30. Oktober 2011.

 

 

 

 

 

Prof. Sibylle Cada
(Protokollantin)

*) Das Protokoll war nicht als reines Ergebnisprotokoll anzulegen, da Referate und Diskussionen im Laufe der Arbeitstagung stets lebhaft ineinander verflochten waren. Es sollten zumindest solche – ausgewählten – Diskussionspunkte festgehalten werden, die für eine inhaltliche Klärung und Standortbestimmung relevant erschienen.