Dieser Brief wurde 2013 an alle Landtagsabgeordneten in NRW verschickt, viele Abgeordnete antworteten. Er kann als Vorlage für entsprechende Briefe genutzt werden, wobei der kursiv gedruckte Teil des Briefes auf die spezielle Situation in NRW bezogen und entsprechend abzuwandeln ist.

 

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Absender

Ansprechpartnerr

Anschrift

Kontakt

die Vertreter der Lehrbeauftragten an den Musikhochschulen in ….

...)

 

Betrifft

Prekäre Situation der Lehrbeauftragten an den Musikhochschulen in ….

 

Sehr geehrter Herr (...),

Sehr geehrte Frau (...),

 wir wenden uns an Sie als unsere(n) Vertreter(in) im Landtag von ...

 Wir möchten Sie auf die überaus unbefriedigende und oft prekäre Situation der Lehrbeauftragten an den Musikhochschulen in … hinweisen.

 Der Unterricht an deutschen Musikhochschulen wird von hauptamtlichen Dozenten, in der Regel Professoren, und Lehrbeauftragten erteilt. Lehraufträge stellten ursprünglich nur eine Ergänzung des Lehrangebots dar. Inzwischen sieht die Situation jedoch ganz anders aus: weit über die Hälfte des Unterrichts wird von Lehrbeauftragten erteilt. Ohne die Lehrbeauftragten wäre der Unterrichtsbetrieb nicht aufrechtzuerhalten. Als nebenamtliche Hochschullehrer verdienen wir nur einen Bruchteil unserer fest angestellten Kollegen und sind arbeitsrechtlich nicht abgesichert. Zahlreiche Gespräche mit Politikern und den Hochschulleitungen über Veränderungen der unhaltbaren Situation der Lehrbeauftragten haben bisher zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt.

 Die Lehrbeauftragten

 - leisten in der Regel die gleiche Arbeit wie fest angestellte Lehrende,

 - sie tragen die gleiche Verantwortung für Ihre Studierenden,

 - sie stellen über 50% der Lehre sicher und bilden zahlenmäßig neben den Studierenden die bei weitem größte Gruppe innerhalb der Hochschulen. (ca. ….. Lehrbeauftragte bei ca….. Professoren),

 - trotzdem haben ihre Deputate eine strikte Obergrenze von maximal … Unterrichtsstunden pro Woche,

 - sie erhalten nur ca. ein Drittel des Stundensatzes ihrer fest angestellten Kollegen,

 - sie erhalten keine Tarifsteigerungen wie im öffentlichen Dienst üblich. Ihre Honorare liegen auf dem Niveau der 70er/80er Jahre,

 - sie erhalten weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld,

 - Lehrbeauftragte können jederzeit fristlos und ohne Angabe von Gründen entlassen werden.

 Wir fordern daher

 - Arbeitsverträge für alle, die den Kernbereich der Lehre abdecken, vergleichbare Aufgaben wie hauptamtliche Dozenten wahrnehmen und seit Jahren an der Hochschule unterrichten,

 - die Abschaffung einer Obergrenze der Unterrichtsdeputate,

 - eine sofortige deutliche Erhöhung der Bezüge als Ausgleich für die fehlenden Tariferhöhungen der letzten Jahrzehnte,

 - eine jährliche Anpassung unserer Honorare in Anlehnung an die Tarifentwicklung im öffentlichen Dienst,

 - vergleichbare Honorarsätze für Lehraufträge, die weiterhin zur flexiblen Handhabung des Lehrangebots erforderlich sind.

 Eine ausführliche Darstellung der Lage samt unserer Forderungen haben wir in der "Frankfurter Resolution" zusammengefasst, die diesem Schreiben beiliegt. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website: http://www.bklm.org

 Die Lehrbeauftragten haben keine formelle Interessenvertretung.

 So haben wir in den vergangenen drei Jahren mit erheblichem ehrenamtlichen Aufwand versucht, beim Ministerium auf unsere Situation hinzuweisen.

 Im letzten Jahr konnten wir dann durch Verhandlungen mit dem Ministerium eine Erhöhung unserer Bezüge von 12,3% erreichen, was durchaus ein erster Erfolg und "eine Verbesserung" der Situation darstellt. Die Ministerin Svenja Schulze spricht in einem Brief vom 8. 4. 2013 an unseren Sprecher Herrn Prof. Immer deshalb auch von einem "deutlichen Signal". Genau betrachtet liegt diese Erhöhung aber bei ca. 1% pro Jahr für die letzten 10 Jahre und somit unter der Inflationsrate. ‹blich sind bei heutigen Tarifabschlüssen Erhöhungen von ca. 3% pro Jahr!

 Des weiteren wurden eine zweite Erhöhung von 2,7% im laufenden Jahr sowie eine jährliche Anpassung unserer Honorare in Aussicht gestellt.

 Im Schreiben von Ministerin Svenja Schulze ist davon allerdings nicht mehr die Rede. Auch unsere übrigen Forderungen werden dort nicht erwähnt und mit Verweis auf ß 36 des Kunsthochschulgesetzes (KunstHG) wird dann argumentiert, dass unsere Beschäftigungsverhältnisse dem Gesetz entsprechen. Dieser Paragraf lautet:

 "Lehraufträge können für einen durch hauptberufliche Kräfte nicht gedeckten Lehrbedarf erteilt werden. Die Lehrbeauftragten nehmen ihre Lehraufgaben selbständig wahr. Der Lehrauftrag ist ein öffentlich-rechtliches Rechtsverhältnis eigener Art; er begründet kein Dienstverhältnis." [https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_start]

 Es ist offensichtlich, dass dieser Jahrzehnte alte Passus, der klar auf die Rolle der Lehrbeauftragten als ausnahmsweise Ergänzung des eigentlichen Lehrpersonals abzielt, nichts mit unserer tatsächlichen Situation zu tun hat. Wie oben dargestellt, wird längst mehr als 50% des Unterrichts von uns Lehrbeauftragten erteilt und viele unserer Kollegen lehren bereits seit Jahrzehnten an einer Musikhochschule in NRW und müssen Semester für Semester bangen, ob ihr prekäres Arbeitsverhältnis fortgesetzt wird, weil sie keine, geschweige denn angemessene Arbeitsverträge haben!

 Angesichts dieser aktuellen Verhältnisse ist es wenig überzeugend, wenn man sich seitens der Regierung hinter dieser unzeitgemäßen Regelung verschanzt. Stattdessen erwarten wir von der Politik, die Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen und unsere Forderungen ernsthaft mit uns zu verhandeln.

 Wir bitte Sie, sich für unser Anliegen einzusetzen und unsere Forderungen im Rahmen ihres Mandats zu unterstützen.

 Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.

 Mit freundlichen Grüßen,

 

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