bklm c/o – Prof. Karola Theill

Leserbrief (unveröffentlicht)

Betr:  Artikel „Lob des Lehrauftrages“ von Daniel Hornuff, FAZ vom 2. Mai 2012

Auch wenn Herr Hornuff in diesem Artikel vor allem die Situation der Lehrbeauftragten an Universitäten aufgreift, so muss sich die Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen (bklm) entschieden gegen seine Darstellung aussprechen.

Die von Studierenden aus aller Welt hochgeschätzte Ausbildung an deutschen Musikhochschulen könnte ohne Lehrbeauftragte gar nicht gewährleistet werden, da diese die Lehre zwischen 40 bis sogar 70% je nach Hochschule sicherstellen. Wie aus einer Erhebung, die die bklm zur Zeit an allen Musikhochschulen durchführt, hervor geht, wird zudem mehr als ein Drittel der Lehrbeauftragten zusätzlich und unentgeltlich zu administrativen Aufgaben – Herr Hornuff nennt dies das „akademische Tagesgeschäft“ und „lästige Aufgaben“ - hinzugezogen.

Dass sich die Lehrbeauftragten an Musikhochschulen im Januar 2011 zu einer Initiative zusammengeschlossen haben, hat nicht damit zu tun, dass sie „aus tragisch verkorksten Berufs- und Lebenswegen Indizien für universitäre Ausbeutung und gezielte Verarmung des akademischen Personals“ ableiten, wie Herr Hornuff so zynisch zu wissen meint. Sondern mit der immer stärker auseinander klaffenden Schere zwischen den Festangestellten, die als Professor/innen oder im Mittelbau tätig sind, und der Situation der Lehrbeauftragten. Obwohl letztere in vielen Fällen vergleichbare Arbeit leisten, sind ihre niedrigen Honorare in den letzten 20 Jahren, wenn überhaupt, nur marginal gestiegen. Auch die Hochschulleitungen bedauern diesen Zustand.

Den Musikhochschulen werden jedoch von den Bundesländern zu wenig Mittel zur Verfügung gestellt, um diese Schieflage auch nur annähernd korrigieren zu können.

Herr Hornuff sagt vollkommen richtig: „kein Mensch kann in Deutschland von einem Lehrauftrag leben“.  Jedoch sollte die hohe Qualifikation, die jeder Lehrbeauftragte mitbringt, um überhaupt an einer Musikhochschule lehren zu dürfen, zumindest angemessen honoriert werden. Und das ist keine „larmoyante“ oder „selbstgerechte“, sondern einfach eine überfällige und selbstverständliche Forderung der Lehrbeauftragten – nicht nur an Musikhochschulen.

Die Sprecher der Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen

Prof. Karola Theill und Prof. Friedemann Immer

(Honorarprofessoren im Lehrauftrag)