Frei – aber nicht vogelfrei!, von Birgit Schmieder
Als freie Musikerin und Lehrbeauftragte an Musikhochschulen in der DOV.
Ein persönlicher Rückblick auf die vergangenen drei Jahre von Birgit Schmieder
Bei der diesjährigen Delegiertenkonferenz Ende Mai in Hannover nahmen mit Prof. Friedemann Immer und mir erstmalig in der Geschichte der DOV zwei Delegierte der Einzelmitglieder, vor allem freie Musiker/innen und Lehrbeauftragte an Musikhochschulen, teil.

Nur knapp drei Jahre zuvor, im Sommer 2009, hatte ich mich an den Geschäftsführer der DOV, Herrn Mertens, gewandt, da ich zu dem damaligen Zeitpunkt eine gewerkschaftliche Unterstützung der freien Musiker für dringend notwendig ansah. Mit dieser Meinung war ich offensichtlich nicht allein, mein Anliegen traf auf „offene Ohren“,viel Verständnis und die Bereitschaft, gemeinsam Strategien für die Freie Szene zu entwickeln.

Zur Vorgeschichte

Als ehemalige Oboistin der Berliner Symphoniker hatte ich während meiner 14 Jahre dauernden Orchesterzugehörigkeit und als DOV-Mitglied den TVK kennen- und schätzengelernt. Als ich 1999 kündigte, war nicht nur die düstere Perspekti- ve für mein Orchester ausschlaggebend, sondern auch ein immer stärker werdender Wunsch nach mehr künstlerischer Selbstbestimmung. So spiele ich seitdem in freien Ensembles mit den Schwerpunkten Alte und Neue Musik und bin pä-dagogisch an Berliner Musikschulen, der UdK Berlin und der HfMT Hamburg tätig – ein erfülltes Berufsleben, doch immer an der Grenze zur (Selbst-)Ausbeutung und zunehmend existentiell schwieriger. In Gesprächen erfuhr ich von der in anderen Ländern bestehenden gewerkschaftlichen Organisationen für freie Musiker. Warum sollte dies nicht auch in Deutschland und in der DOV möglich sein?

„Freie Musiker“

2010 fanden in Berlin auf Einladung von Herrn Mertens und später Herrn Bausdorf erste Workshops für freie Musiker statt. Daraus bildete sich die „AG Freie Musiker“, die seitdem regelmäßig zusammenkommt. Themen sind u.a. Arbeitsbedingungen und Honorare bei freien Ensembles und Orchesteraushilfen und die Entwicklung von Mindeststandards. Deren Etablierung, auch bundesweit mit regionalbedingter Modifizierung, bei Veranstaltern, Ensembles und den freien Musikern selbst, ist eines der vorrangigen Ziele. Auch die Idee zur Wahl von Delegierten entstand dort. Lehrbeauftragte an Musikhochschulen“ 2011 wurden die ersten beiden Bundeskonferenzen der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen (bklm) einberufen. Mit der „Frankfurter Resolution“ wurde auf die Situation der Lehrbeauftragten aufmerksam gemacht und deutliche Verbesserungen in der Vergütung und den Arbeitsbedingungen gefordert. Seitdem ist bundesweit ein Sprecherteam, dem Prof. Friedemann Immer angehört, intensiv um die Umsetzung dieser Forderungen bemüht. Dabei werden sie von der DOV unterstützend begleitet.

Delegiertenversammlung in Hannover

Meiner Teilnahme daran sah ich mit Neugier und Spannung entgegen. Nach einer persönlichen Vorstellung durch Herrn Karmeier in seiner Eröffnungsrede und der Ankündigung von Herrn Mertens in seinem Rechenschaftsbericht, sich verstärkt für freie Musiker einzusetzen, wurde ich wie selbstverständlich in den Kreis der Delegierten aufgenommen. Die folgenden Tage waren äußerst informativ und von vielen persönlichen Gesprächen begleitet. Mit den Beschlüssen zur Änderung des §2 des DOV-Statuts und der Einbindung von uns Delegierten in die Sitzungen des Gesamtvorstandes, der auch weiterhin die Strategien im Bereich „Freie Musiker und Lehrbeauftragte“ festlegen wird, sind in Hannover entscheidende Weichen für eine weitere Öffnung der DOV für freie Musiker und Lehrbeauftragte gestellt worden.

Birgit Schmieder ist als freischaffende Oboistin Einzelmitglied und gewählte Delegierte der Freien Musiker in der DOV. An der Universität der Künste Berlin und der Hochschule für Musik und Theater Hamburg unterrichtet sie Oboe und Methodik/Didaktik der Oboe.