Leserbrief an FAZ Deutsche Orchestervereinigung e.V.Geschäftsführer 3. Mai 2012
Sehr geehrte Damen und Herren, Bezug nehmend auf den Artikel von Daniel Hornuff mit dem Titel „Lob des Lehrauftrags" in der Rubrik „Forschung und Lehre" vom 2. Mai sind zahlreiche Aussagen des Autors unzutreffend.

 

Der Autor schildert die Rahmenbedingungen für die Erteilung von Lehraufträgen sowie die sich daraus ergebende wirtschaftliche Situation für die Betroffenen durchaus zutreffend indem er schreibt, „... Kein Mensch kann in Deutschland von einem Lehrauftrag leben". Unzutreffend ist u.a. jedoch seine Feststellung, die Kritik am Lehrauftrag käme fast ausschließlich von Geisteswissenschaftlern. Würde der Autor seriös recherchiert haben, so wäre ihm aufgefallen, dass  auch die deutschen Musikhochschulen ein Heer von Lehrbeauftragen beschäftigen, die im Durchschnitt ca. 50% des Lehrangebots übernehmen. Diese sitzen übrigens nicht im Elfenbeinturm oder trauern einer verpassten akademischen Karriere nach, sondern leisten, wie auch die Rektoren und Präsidenten der Hochschulen bestätigen, hochprofessionelle Arbeit. Ein Indiz dafür ist die große Zahl ausländischer Bewerber für einen Studienplatz an einer deutschen Musikhochschule, die sich wohl kaum zu uns auf den Weg machten, wenn sie nicht sicher sein könnten, von Lehrbeauftragen auf allerhöchstem Niveau unterrichtet zu werden. Weiterhin merkt der Autor an, dass Lehraufträge vor allen Dingen dazu dienten, außeruniversitäre Fachleute in den Betrieb einzubinden, um  zur Öffnung der Universitäten bei zu tragen und damit nicht auf Dauer angelegt sind.  Auch diese Feststellung zeugt für den Bereich der Musikhochschulen von schlichtem Unwissen, denn hier werden auch Kernfächer der Lehre von Lehrbeauftragten übernommen. Ohne jahrelange Kontinuität z.B. im Rahmen des Instrumentalunterrichts ist an ein erfolgreiches Studium nicht zu denken.

Die Rahmenbedingungen für Lehrbeauftragte haben sich seit Jahren nicht verändert, dies wollen die Betroffenen nicht länger akzeptieren. Aus diesem Grund hat sich im Jahr 2011 die Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen, kurz bklm, als Interessenvertretung gegründet. Die Deutsche Orchestervereinigung kooperiert und unterstützt als berufsständische Vertretung der Musiker in Deutschland  deren in der „Frankfurter Resolution" Forderungen.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Bausdorf

Stellv. Geschäftsführer

Anlage „Frankfurter Resolution"