Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim
Der Präsident

Mannheim, den 29. März 2011

 

 

Sehr geehrte Frau Wentz,
sehr geehrter Herr Prof. Immer,

dem Präsidium der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ist die schwierige Lage der Lehrbeauftragten sehr bewusst. Schon seit Jahren bemühen wir uns eine Verbesserung herbeizuführen, leider nur mit bescheidenem Erfolg. Dass auch Ihnen bewusst ist, dass die Hochschulleitungen sich für die Lehrbeauftragten einsetzen, schließe ich aus Ihrem Anschreiben.

Für die Erledigung Ihrer gesetzlichen Aufgaben stehen der Hochschule staatliche Zuwendungen, Einnahmen aus Studiengebühren und Drittmittel aus verschiedenen Quellen zur Verfügung. Mit einer wesentlichen Verbesserung der Einnahmesituation ist in den nächsten Jahren nicht zu rechnen, obwohl wir uns natürlich darum nach Kräften bemühen. In dieser Situation sind Mehrausgaben je Unterrichtsstunde (bei Lehrbeauftragten) nur bei gleichzeitiger Kapazitätsreduzierung möglich. Eine solche Einschränkung der Lehre je Studienplatz würde aber die Qualität des Angebots der Hochschule verringern und ist deshalb sehr problematisch. Auch könnte eine Entsolidarisierung unter den Lehrbeauftragten eintreten (wer muss gehen, damit der Kollege/die Kollegin finanziell besser gestellt wird?). Die Hochschule hat vor einigen Jahren einen kleinen Schritt in die skizzierte Richtung gemacht. Dies möchten wir nicht wiederholen, im Interesse des Umfangs unseres Lehrangebots. Wirkliche Abhilfe könnte nur durch eine Erhöhung des vom Land finanzierten Budgets geschaffen werden. Eine gemeinsame Initiative mit diesem Ziel ist sicher sinnvoll.

Mit freundlichen Grüßen

 

Prof. Rudolf Meister
Präsident


P.S. Der Vollständigkeit halber möchte ich einige Aussagen der „Frankfurter Resolution“ kommentieren:

- Nach § 56 LHG (BW) können Lehraufträge auch zur Sicherstellung des Lehrangebots in einem Fach erteilt werden.

- An der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim wird nicht mehr als die Hälfte des Lehrangebots von Freien Mitarbeitern erbracht, sondern lediglich 24,5 %.

- Die Hochschulleitung achtet darauf, die Arbeitsverpflichtungen von
Lehrbeauftragten einerseits und angestellten bzw. beamteten Lehrkräften andererseits unterschiedlich zu gestalten. Dies gilt insbesondere für
Prüfungsaufgaben. Die Mitwirkung in der Selbstverwaltung der Hochschule wird mit Lehrbeauftragten nicht vertraglich vereinbart.

- Ein Vergleich der Honorierung von Lehrbeauftragen und angestellten bzw. beamteten Lehrkräften nach der Formel Gehalt geteilt durch Zahl der
Unterrichtsstunden ist nicht möglich, da angestellte bzw. beamtete Lehrkräfte jenseits der Lehre zahlreiche weitere Aufgaben wahrnehmen müssen. Außerdem erhalten Lehrbeauftragte—im Gegensatz zu hauptamtlichen Lehrkräften—in der Regel auch einen Ersatz ihrer Fahrtkosten.

- Hochschulen benötigen eine gewisse Flexibilität in Bezug auf die
Unterrichtskapazität in verschiedenen Fächern. Das berechtigte Interesse der Lehrkräfte an Planungssicherheit muss im Verhältnis zu dieser Notwendigkeit immer wieder neu bewertet werden.

- Eine umfangreiche Tätigkeit in der Selbstverwaltung (mit Stimmrecht) bedeutet auch eine starke Vermehrung der Arbeitsbelastung. In den Gremien der Hochschule werden zumeist fachliche Fragen, Fragen der Organisation sowie strategische Fragen der Hochschulausrichtung diskutiert. Fachgruppen, Studienkommissionen, Senat und Hochschulrat sind keine Interessenvertretungen für bestimmte Berufsgruppen. Die Kritik der geringen Vergütung der Lehraufträge gepaart mit der Forderung, den Arbeitsumfang einiger Lehrbeauftragter deutlich zu erweitern scheint vor diesem Hintergrund zwiespältig. Die Hochschulleitung steht selbstverständlich jederzeit für Gespräche mit einer Interessenvertretung der Lehrbeauftragten zur Verfügung und wird deren Anliegen bei Bedarf auch in den Gremien vortragen. Diesbezüglich hat es in Mannheim bisher noch nie Probleme gegeben.

- Auch im Bereich der Lehraufträge besteht an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim eine hohe Kontinuität.

- In den mehr als 13 Jahren meiner Tätigkeit als Präsident der Hochschule ist mir nur ein Fall eines Rückzugs aus der Hochschullehre aufgrund der geringen Vergütung bekannt geworden. Zum Glück konnte der Lehrauftrag ohne Schwierigkeiten und Qualitätsverlust wieder besetzt werden.

 


Eine Kopie des Briefes können Sie hier als PDF-datei herunterladen