Stellungnahme

DER REKTOR, Leipzig, 25, August 2011
Sehr geehrte Frau Wentz, vielen Dank für lhren Brief vom 08. Juli 201 1.
Die Hochschule für Musik und Theater ,,Felix Mendelssohn Bartholdy" Leipzig gewinnt wie jede andere Hochschule im Verbund der RKM durch die Kompetenz únd dén hohen Einsatz unserer Lehrbeauftragten.

Daher ist es eine Selbstverstäindlichkeit, daß die Hochschulleitung die Frankfurter Resolution sowie die Vorstellung der Bundeskonierenz,,Lehrbeauftragte an Musikhochschulen" bei der Sommerkonferenz der RKM mit lnteresie und Sympathie verfolgt.

Zu der äußerst schwierigen Situation unserer Lehrbeauftragten habe ich persönlich oftmals Stellung bezogen, zuletzt mit einem kuzen Artikel in unserem Hochschuljournal, das ich diesem Schreiben beifüge. Wie Sie diesem Text entnehmen können, stellt die Finanzierung der Lehraufträge selbst zu den von lhnen zu Recht als unbefriedigend kritisierten Konditionen für unsere Hochschule ein massives Problem dar. lnsofern bedauere ich, lhnen zum aktuellen Zeitpunkt keine Mitteilung über eine positive Entwicklung geben zu können.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Robert Ehrlich

No 30 Januar 2011

Die Lehraufträge und.das liebe GeldSeit ungefähr einem Jahrzehnt bemúhen sich die Träger der deutschen Hochschulen um eine Reduzierung der Ausgâben für das Lehrpersonal. Allen Beteuerungen des Bundes und der Länder zum Trotz: Die Einführung der sogenannten,, W"-Professorenbesoldung ab 20O2 darf aus heutiger Sicht in erster Linie als Sparmaßnahme bezeichnet werden. Neu berufene,,w"issenschaftliche (und künstlerische) Professoren bekamen fortan erheblich ,,w"eniger Grundgehalt als deren dienstältere Kollegen. lm Gegenzug erhielten sie grundsätzlich Möglichkeiten, mit der Hochschulleitung über Gehaltserhöhungen und Prämien für besondere Leistungen zu verhandeln. Zunächst blieben die finanziellen Zuweisungen fürs Lehrpersonal an die Hochschulen unverändert; der Abstand zwischen den alten und neuen Besoldungssätzen sollte eine hinreichende Reserve für eine,,leistungsorientierte" Professorenbesoldung darstellen. Politiker redeten gern während dieser Phase über eine vermeintliche,,Stärkung der Hochschulautonomie"; selbstverständlich nutzte auch die HMT diesen Spielraum, um profilierte Lehrende anzuziehen oder zu Verbleib zu bewegen. lm Fre¡staat Sachsen wurde erst mit dem im letzten Sommer vorgelegten Kabinettsentwurf für den Doppelhaushaft 2011/2012 offenbar, wie -im wahrsten Sinne desWortes -Kapital aus der W-Besoldung geschlagen werden sollte. Ab 2011 erhalten die sächsischen Hochschulen grundsâtzlich nur noch so viel Celd für ihre fest angestellten Lehrenden, wie diese im Jahr 2009 tatsächlich kosteten; der Überschuss, der eigentlich für zukünftige Leistungsbezüge bereitgehalten wurde, entfällt.
Diese,,Personal-lstkostenerstattung" stellt nicht nur die Umsetzbarkeit der ,,W"-Besoldung, sondern auch indirekt die Finanzierbarkeit der Lehraufträge an den sächsischen Kunsthochschulen in Frage. Gerade in den Bereichen Musik und Darstellende Kunst wird das Lehrangebot deutschlandweit nur zum verhältnismäßig geringen Teil von fest angestellten Professoren oder Mitarbeitenden im so genannten akademischen Mittelbau erbracht. An der HMT werden demzufolge jedes Semester ca. 50000 Semesterwochenstunden (SWS) in Kernbereichen des Studiums von prekär beschäftigten Lehrbeauftragten gesichert -e¡ne Tatsache, die auch im $ 66 des Sächsischen Hochschulgesetzes explizit anerkannt und gebilligt wird:,,Zur Ergänzung des Lehrangebotes, an Kunsthochschulen auch zur Erbringung des Lehrangebotes, können Lehraufträge erteilt werden." Vom Finanzministerium bei der Erstellung des Haushaltsentwurfs leider unberücksichtigt blieb die Tatsache, dass die Lehrbeauftragtenhonorare nicht durch eine direkte Personalkostenerstattung finanziert worden sind. (Lehrbeauftragte sind als selbständig Arbeitende kein,,Personal" im Sinne der Bürokratie). Tatsächlich werden sie generell in erheblichem Maße durch die Abzwe¡gung von Geldern aus anderen Posten bezahlt, insbesondere aus nicht verbrauchten Mitteln der Professorenbesoldung. Da im Zuge der ,,Personal-lstkostenerstattung" nun gerade diese Mittel gestr¡chen werden, stand die HM'f vor dem Anfang des Wintersemesters vor dem Dilemma, Lehraufträge in Höhe von ca. 15 OO0 SWS plötzlich nicht finanzieren zu können.
Es muss noch einmal betont werden: Die HMT Leipzig ist -wie andere Kunsthochschulen auch -auf ihre Lehrbeauftragten zur Erfüllung ihrer vertraglich festgelegten Lehrverpflichtung an die Studierenden angewiesen. Dies wird gesetzlich anerkannt, und selbstverständlich im zuständigen Sãchsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst verstanden; die erforderliche Rückendeckung für die Ausstellung aller erforderlichen Lehraufträge an der HMT kam gerade noch rechtzeitig zur Abs¡cherung der Lehre im akademischen Jahr 2010/ 2011. M¡ttel- und langfristig muss jedoch ein Bewusstsein für die besondere Struktur der Kunsthochschulen nicht nur im 5ächsischen Finanzministerium wachsen: Die Lehrbeauftragten verbleiben in einer Schmuddelecke der deutschen Bildungspolit¡k, die bislang von keiner,,Exzellenzinitiative" oder,,Hochschulpakt" ausgeleuchtet wurde ...

Robert Ehrlich