Landeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen in NRW

28.März 2014, Essen

Präambel

Lehraufträge an den Musikhochschulen in NRW sollten ursprünglich der Ergänzung des Lehrangebots dienen. Die Realität sieht jedoch anders aus: etwa die Hälfte des Unterrichts wird - bereits seit Jahren - von Lehrbeauftragten erteilt, so dass von einer Sicherstellung des Lehrangebots durch Lehraufträge gesprochen werden muss.

Diese nebenamtlichen Hochschullehrer verdienen nur einen Bruchteil ihrer fest angestellten Kollegen und sind arbeitsrechtlich in keiner Weise abgesichert.

 

Zahlreiche Gespräche mit verantwortlichen Politikern und den Hochschulleitungen zeigen, dass die Problematik in NRW „angekommen“ ist, eine Lösung der unhaltbaren Situation der Lehrbeauftragten ist jedoch leider noch nicht in Sicht.

 

Um den dringend notwendigen Diskussionsprozess in Gang zu halten und zu koordinieren, haben die Lehrbeauftragtenvertreter der fünf Musikhochschulen in NRW ihre Forderungen und die Fakten in der „Essener Erklärung“ zusammengefasst.

 

1.     Die Fakten

 

Lehrbeauftragte

-          leisten in der Regel die gleiche Arbeit wie fest angestellte Lehrende.

-          tragen die gleiche Verantwortung für ihre Studierenden.

-          stellen einen großen, entscheidenden Anteil des Unterrichtsangebots sicher

            (ca. 50% der Lehre).

Lehrbeauftragte

-          erhalten ca. ein Drittel des Stundensatzes ihrer fest angestellten Kollegen.

-          erhalten noch keine Tarifsteigerungen wie im öffentlichen Dienst üblich. Ihre Honorare wurden in den letzten 44 Jahren nur alle paar Jahre, und dann nur unzureichend erhöht. (Die Entwicklung der Honorare für Lehraufträge seit 1970 können einer beiliegenden Tabelle entnommen werden.)

Lehraufträge

-              können jedes Jahr fristlos und ohne Angabe von Gründen beendet werden.

Lehrbeauftragte

-             müssen Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zahlen, ohne jemals deren Leistungen

     in Anspruch nehmen zu können.

-             erhalten weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld.

Lehrbeauftragte

-           haben keine Planungssicherheit in Hinsicht auf die Höhe ihres Deputats.

Die Struktur der Lehraufträge

-           stellt ein, in allen anderen Berufszweigen unzulässiges, System von „Ketten-Aufträgen“, vergleichbar „Kettenverträgen“ dar. Es sind nur deshalb keine „Kettenverträge“, weil Lehrbeauftragte keine Arbeitsverträge, sondern immer nur Aufträge erhalten!

Die prekäre Situation vieler Lehrbeauftragter, hervorgerufen durch die geringe Vergütung, bringt es mit sich, dass viele Lehrbeauftragte nur minimale Rentenansprüche ansammeln und daraus ggf. eine mangelhafte Altersabsicherung resultiert.

 

 

2.     Die Forderungen

 

 

Eine Neustrukturierung der Musikhochschulen kann nur erreicht werden, wenn von Seiten des Ministeriums und der Landesregierung genügend, in der Regel deutlich höhere Mittel zur Verfügung gestellt werden. Deshalb fordern wir, dass diese Mittel nicht aus dem Etat der Hochschulen genommen werden, sondern zusätzlich zur Verfügung stehen müssen.

 

Lehrbeauftragte fordern

 

-              feste Anstellungsverträge für alle, die den Kernbereich der Lehre abdecken,

ohne die der Hochschulbetrieb nicht aufrecht zu erhalten ist und die eindeutig

der Sicherstellung des Lehrbetriebs gelten. Eine Aufstellung, in welche Gruppe (z.B.

W-Professoren in Teilzeit oder Mittelbau) wird von der HfMT Köln erarbeitet.

-           vergleichbare Honorarsätze für Lehraufträge, die weiterhin zur flexiblen             Handhabung des Lehrangebots erforderlich sein werden.

 

Lehrbeauftragte fordern

 

-              sofortige deutliche Erhöhung der Bezüge als Ausgleich für die fehlenden       Tariferhöhungen der letzten Jahrzehnte.

-              Anpassung an die Tarifsteigerungen des öffentlichen Dienstes.

-              bei der Besetzung von Stellen sollte ggf. die hochqualifizierte, jahrelange Tätigkeit

einer/eines Lehrbeauftragten vorrangige Berücksichtigung finden.

 

 

Wir appellieren an die Hochschulleitungen, unsere Forderungen nicht nur zu unterstützen, sondern gemeinsam mit uns gegenüber der Politik geltend zu machen.

 

 

 

Die Vertreter der Musikhochschulen in NRW

 

 

HfM Detmold: Eva Schüttler, Arvid Ong

 

RSH Düsseldorf: Christoph Willer

 

UdK Essen: Susanne Achilles, Wolfgang Kostujak, Matthias Nadolny

 

HfMT Köln: Friedemann Immer, Bernd Puschmann, Sebastian Schärr

 

MHS in der Universität Münster: Gregor Hollmann

 

 

 

Für den Inhalt:            Prof. Friedemann Immer, HfMT Köln

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