Die Pianistin Eva Schüttler ist selbst Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik Detmold. Sie stellte sich mit diesem Text die Frage, was sich seit dem landesweiten Aktionstag der Lehrbeauftragten im Jahr 2011 wirklich und vor allem nachhaltig verändert hat und was umgesetzt worden ist.

Als Mitglied des Personalrates der künstlerisch-wissenschaftlichen Mitarbeiter war sie eingebunden in die Erarbeitung
des „Memorandums“, das auf Initiative des Personalrats gemeinsam mit der Hochschulleitung entwickelt wurde und am 1. Juli 2013 vom Senat einstimmig verabschiedet worden ist.

 

Ende 2011 kamen erste Informationen aus dem Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung, dass es geplant sei, die Honorare der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen ab Januar 2012 zu erhöhen. Auch eine Kopplung der Bezüge an die Tarifsteigerungen im Öffentlichen Dienst war im Gespräch. Normalerweise ist eine jährliche Anpassung in anderen Arbeitsverhältnissen des öffentlichen Dienstes selbstverständlich. Die da-malige Minderheitsregierung und der nicht genehmigte Haushalt mit den dann notwendigen Neuwahlen im
Mai haben die Umsetzung verzögert. So wurde erst Ende des Jahres 2012 nach Verabschiedung des Landeshaushaltes klar, dass die Lehrbeauftragten rückwirkend für die fehlenden Tarifsteigerungen der letzten 10 Jahre eine Anpassung des Lohns um 12,3 % rückwirkend für 2012 erhalten werden.

Ich möchte daran erinnern, dass sich die Lehrbeauftragten schon mehrfach in einzelnen Hochschulen wie auch länder- und bundesweit seit den 70er- Jahren organisiert haben, um für eine Verbesserung ihrer Situation einzu-treten. Vereinzelte Lohnerhöhungen waren die (Er)Folge, die über die Jahre
hinweg jedoch wieder an Wert verloren. Durch die immer noch fehlende jährliche Dynamisierung konnte die Lohnsituation nicht nachhaltig ver-bessert werden.

Außerdem brauchen die Musikhochschulen für eine nachhaltige Verbesserung neue feste Stellen, um der in den letzten Jahrzehnten veränderten und erweiterten Studiensituation gerecht zu werden. Der Lehrauftrag ist als Flexibilisierungsinstrument gedacht, welches den Hochschulen ermöglicht, schnell und effizient auf Schwankungen im Bedarf zu reagieren und Musiker zusätzlich zu ihrem festen Engagement, z.B. aus dem Orchester, stundenweise in die Lehre einzubringen.

Eine bundesweite Umfrage der BKLM (Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen – www.bklm.org) im Frühling 2012 zeigte jedoch, dass die Realität heute an Musikhochschulen in großen Teilen nicht der eigentlichen Konzeption des Lehrauftrages entspricht.

Danach unterrichten fast 45 % der Lehrbeauftragten länger als 10 Jahre an einer Musikhochschule, d.h. dass ein großer Teil der Lehrbeauftragten Langzeit-Dozenten sind, die durch ihre langjährige Erfahrung für den Unterrichts- und Prüfungsbetrieb der Hochschulen nahezu unverzichtbar sind.

Außerdem leben die meisten Lehr-beauftragten in so genannten beruflichen Patchwork-Existenzen, die aus mehreren Teilen bestehen. Keiner dieser Teile allein ist ausreichend zur Existenzsicherung, jeder dieser Teile
ist unverzichtbar.

Laut der Umfrage sind lediglich 14 % der Lehrbeauftragten  durch eine hauptberufliche Tätigkeit im Bereich Orchester/Theater abgesichert.

Aus einzelnen handschriftlichen Ergänzungen in der Umfrage wird zudem deutlich, dass zahlreiche Lehrbeauftragte die mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit beklagen. Damit möchte ich zum letzten, auch so wichtigen Punkt kommen.

Um das respektvolle, gleichwertige Miteinander und die damit verbundene gute, produktive Zusammenarbeit aller Lehrenden und der Hochschulverwaltung zu erhalten und weiter zu stärken sowie den Lehrbeauftragten, die mit der Hochschule seit langer Zeit verbunden sind, eine gesicherte Zukunftsperspektive zu ermöglichen, hat der künstlerische/wissenschaftliche Personalrat (der seit einer Gesetzesänderung und den dann folgenden Neuwahlen im Frühling 2012 nun auch die große Gruppe der Lehr-beauftragten vertritt) in Zusammenarbeit mit der Hochschulleitung ein Memorandum (s. nachstehender Artikel) erstellt. Darin werden Themen wie das kollegiale Miteinander, die Unterstützung für freigestellte Lehrbeauftragte (z.B. die Weiterbeschäftigung nach der Geburt eines Kindes) und weitergehende Regelungen für den Bereich der Korrepetition behandelt. Damit kann eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitssituation – zumindest intern an unserer Hochschule – erreicht und bewahrt werden.

Um auf Landes- und Bundesebene politisch weiter erfolgreich für eine wirkliche Veränderung der Situation einzutreten, sollten wir uns gewerkschaftlich organisieren. Denn nur mit starken Verbündeten haben wir, meiner Meinung nach, eine Chance, aus der „never-ending-story“ ein nachhaltiges „Happyend“ zu machen.

Ein Versuch ist es wert?!
(Eva Schüttler)