Carola Schlüter im Gespräch über die Lehrbeauftragtensituation

Sonja Lenhard: Im Januar diesen Jahres erst ist es zu einem deutschlandweiten Zusammenschluss der Lehrbeauftragten (LB) gekommen. Sind Lehrbeauftragte zu unpolitisch?
Carola Schlüter:
LBs kämpfen immer an 20 Fronten.

Manche haben an drei verschiedenen Hochschulen einen Lehrauftrag, unterrichten Privatschüler, arbeiten als freie Musiker, Damit sind sie erstens viel unterwegs und verdienen zweitens nicht das große Geld, sodass sie wirklich alles parallel machen müssen; andere sind in Orchestern tätig. Die Möglichkeit einer Beteiligung für LBs ist somit erschwert. Schon die Teilnahme an einer Fachgruppensitzung ist ein Problem, da die meisten Kollegen auch an anderen Orten unterrichten.. Seit ich die Vertretung der LBs intensiver betreibe, habe ich einige Aktionen per Email gestartet. (Das ist wirklich bald ein Fulltime Job). Aber ich will  zeigen, dass endlich etwas passieren muss, und das soll jeder mitbekommen, alle LBs und auch die ganze restliche Hochschule. Das hat durchaus einiges an Resonanz gebracht.

Damit konnten Sie also einige LBs aktivieren?
Einzelne ja. Es ist grundsätzlich schwer, Leute zu finden, die mitmachen wollen und können. Ich höre oft, ich würde sehr gerne, aber jetzt habe ich gerade ein Kind bekommen oder ich bin aber noch Vorsitzender von diesem und jenem, so dass kein Platz mehr für weitere Aktivitäten besteht. Ich kann also nicht wirklich beantworten, ob LBs politisch aktiv sind oder nicht.

Eines der Hauptprobleme ist also tatsächlich, alle LBs an einen Tisch zu kriegen?
Weil sie so beschäftigt sind, ja. Wobei ich nicht ausschließen möchte, dass es einige gibt, die Angst haben.

Wovor haben diese LBs Angst?
Es gibt eine diffuse Angst davor, dass der Lehrauftrag nicht verlängert wird. Wenn ich unangenehm werde für die Institution, dann erwarte ich möglicherweise, dass ich bestraft werde. Ich habe diese Begründung von LBs anderer Hochschulen gehört. Bei der 2. bklm gab es sogar einen Kollegen, der anonym bleiben wollte, weil er Repressionen von seiner Hochschule befürchtete. Ich persönlich sehe allerdings diese Gefahr nicht.

Wer ist dafür verantwortlich LBs zu kündigen?
Letztendlich sind die Professoren dafür zuständig, wenn auch der Name des Präsidenten unter dem Lehrauftrag steht. Die Dekanate sind  verantwortlich für die Lehraufträge und im Einzelnen im Grunde die  Professoren der Fachgruppen. Sie entscheiden im Wesentlichen darüber, wer wie viele Semester-Wochen-Stunden bekommt. Und es reicht ja schon, wenn sich der nächste Lehrauftrag nur noch auf ein oder zwei Stunden beläuft. Dann ist der Lehrauftrag immer noch verlängert, lohnt sich aber nicht mehr. Das heißt nicht, dass man jedem Professor so etwas unterstellt.

Also sind LBs in gewisser Weise von den Professoren abhängig?
Ja

Würden Sie sagen, dass sich das auch in anderen Situationen niederschlägt, wie beispielsweise in der Beurteilung von Prüfungsleistungen der Studenten?
Ich hoffe nicht.

Unter Studenten entsteht oft das Gefühl, dass die Professoren alleine die Noten machen. Gibt es LBs, die in Bewertungssituationen Angst haben, ihre Meinung zu sagen?
Ich halte das für denkbar, aber gleichzeitig schätze ich die Kollegen doch so selbstbewusst und professionell ein, dass sie in entsprechenden Situationen zwischen persönlichen Sorgen und fachlichen Notwendigkeiten differenzieren können.  Zum  Thema „Prüfungen“ führe ich gerade zusammen mit einer Kollegin eine Aktion durch,, da es sehr unbefriedigend ist, zu Prüfungen geladen zu werden, aber keine Stimme zu haben, wie es in einigen Fächern der Fall ist. Wir haben eine Emailumfrage gestartet und  sehr interessante Antworten erhalten. Die Antwort eines emeritierten Professors, der heute einen Lehrauftrag hat, war, dass selbstverständlich jeder mit abstimme, alles andere würde er als diskriminierend empfinden..Wir wissen aber, dass es auch Fachgruppen gibt, in denen nur die Professoren abstimmen. Und der Dritte meinte, bei ihnen prüfe grundsätzlich nicht der eigene Lehrer, auch nicht wenn dieser in der Kommission sitze, auch nicht, wenn dieser Prof sei. Denn der eigene Lehrer sei immer befangen. Ich denke sehr drüber nach, ob das nicht ein Weg wäre, den man insgesamt anstreben müsste.
 Wir sprechen hier gerade dieses Thema an: „Zwei-Klassen-Studium“. Das ist ein großer Kritikpunkt, den wir an der Lehrbeauftragtensituation haben: Es darf nicht sein, dass nach außen hin kein Unterschied gemacht wird – wir tragen die gleiche Verantwortung für die Ausbildung der Studenten, und das wollen wir natürlich auch -, und intern  diese Teilung der Lehre besteht.

Wer ist Carola Schlüter?

 

Carola Schlüter unterrichtet seit etwa 15 Jahren an der HfMDK Schulmusiker L1, L2 und L3 in Haupt- und Nebenfach Gesang. Ihr künstlerischer Schwerpunkt liegt auf Neuer Vokalmusik.
Carola Schlüter studierte Gesang und Schulmusik an der Musikhochschule Lübeck. In dieser Zeit hat sie den AStA der Lübecker Musikhochschule mit aufgebaut und war an der Initiierung der Bundesastenkonferenz der Musikhochschulen (MUBAK) mit beteiligt, die bis heute besteht. Vor wenigen Jahren hat sie die Vertretung der Lehrbeauftragten an der HfMDK von Evelyn Wentz übernommen. Zusammen mit ihr hat Carola Schlüter die Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen (BKLM) ins Leben gerufen, die im Januar 2011 erstmals stattfand. Seit 2011 ist sie gewählte Vertreterin der Lehrbeauftragten im Senat

Welche Auswirkungen hat das für die Studenten?
Die angesprochene Prüfungsproblematik ist ein Beispiel dafür. Außerdem wird der Lehrauftrag jeweils nur für ein Semester erteilt, Sie studieren aber acht Semester und sollen sich darauf verlassen können, dass Sie diese acht Semester bei Ihrem Lehrer Unterricht haben können. Das ist aber nicht gesagt. Eine Kontinuität des Unterrichts ist nicht gewährleistet.

Meinen Sie auch, dass der Unterricht unter der Ungewissheit oder der schlechten Bezahlung leidet?
Das denke ich nicht, denn alle Kollegen, die ich kenne, arbeiten trotz allem sehr gerne an der Hochschule oder besser. mit den Studenten und haben genug Professionalität, die Arbeit losgelöst von den Begleitumständen zu betrachten. Was ich nicht ausschließen möchte ist eine gewisse psychische Beeinträchtigung, und es ist natürlich nicht auszuschließen, dass ganz und gar zufriedene Lehrer noch einen Funken sprühender unterrichten können als unzufriedene.  Aber ich würde sagen, wenn die Situation eine andere wäre, hätten wir mehr Möglichkeiten. Wir hätten beispielsweise die Möglichkeit in Konzerte und Vortragsabende unserer Studenten zu gehen, um sie in anderen Fächern zu erleben. Das ist dann wieder für meinen Unterricht interessant. Das kann aber definitiv nicht jeder. Und es gibt noch viele solcher Punkte, die auch die Identifikation mit der Institution behindern. Es gibt trotzdem viele Kollegen, die sich weit über ihren Unterricht hinaus engagieren, weil ihnen die Studenten am Herzen liegen.

Wann gab es die letzte Gehaltserhöhung für LBs an der HfMDK?
Seit zwanzig Jahren auf jeden Fall nicht. Was davor war, konnte ich nicht mehr in Erfahrung bringen, weil die zuständigen Personen dafür keine Zeit fanden. Es ist aber davon auszugehen, dass es dreißig Jahre her ist.

Gehört die HfMDK zu den fortgeschrittenen Hochschulen in Bezug auf die LBs?
Nein. Im Osten ist zwar die Bezahlung schlechter, aber das Problembewusstsein ist dort ein anderes. Bei den Honorarsätzen liegen wir im Mittel, aber die Unterstützung und Bereitschaft auf Seiten der Hochschulleitung, an der Seite der LBs für eine Veränderung zu kämpfen, ist an anderen Hochschulen größer..

Das heißt LBs kriegen nicht alle dasselbe?
Nein, jede Hochschule hat andere Sätze. Und an unserer Hochschule gibt es wiederum drei Sätze. Den obersten Satz, der sich mit Mitte vierzig Euro deutlich von den anderen abhebt, bekommen die sogenannten „Professurablen“ – wer das ist, ist ein Geheimnis. Die meisten bekommen den mittleren Satz von knapp 33 Euro, .den niedrigeren  bekommen offenbar hauptsächlich diejenigen, die gerade erst Examen gemacht haben.

„Wir wollen über die Politik und die Öffentlichkeit ein breites Bewusstsein für die Problematik schaffen.“

Finden Sie, dass die LBs in den Gremien der HfMDK gut repräsentiert sind?
Ja und nein. Im Hessischen Hochschulgesetz ist es nicht vorgesehen, dass LBs in den Gremien sitzen. Aber die Hochschule hat es trotzdem in ihre Satzung aufgenommen. Das ist auf jeden Fall positiv. . Wir haben eine einzige Stimme in jedem Gremium. Eine Chance zur echten Mitbestimmung hat man damit nicht, aber man ist berechtigt Anträge zu stellen und sich jederzeit zu Wort zu melden. Prozentual gesehen müssten die LBs wesentlich stärker vertreten sein, wobei man dazu sagen muss, dass die Arbeit in den Gremien  Zeit kostet, die nicht honoriert wird. Ich bin aus dem Fachbereichsrat II ausgestiegen, weil es mir zu viel gewesen wäre, in zwei Gremien zu sitzen, und es ist niemand nachgerückt, Das ist das Problem: LBs können sich im Grunde ehrenamtliche Gremienarbeit nicht leisten  Aber das ist nicht befriedigend. Man möchte sich gerne richtig engagieren.

Kommen wir zur Frankfurter Resolution. Wie ist diese entstanden?
Die Frankfurter Resolution ist das Ergebnis der ersten bklm im Januar diesen Jahres. Von den 24 Musikhochschulen in Deutschland waren gleich 19 vertreten. Wir haben die jetzige Situation beschrieben und unsere Forderungen formuliert. Die Frankfurter Resolution wurde in der zweiten Bundeskonferenz bestätigt.

Diese hat dieses Semester stattgefunden?
Genau, am 29./30. Oktober in Berlin. Inzwischen sind alle Hochschulen in dieser Bundeskonferenz organisiert. Das war mühsam, denn in manchen Hochschulen wie Bremen, Leipzig und Weimar gab es gar keine LB-Vertretung.

Was wurde in der 2. Bundeskonferenz besprochen?
Wir haben diskutiert, wie man weiter machen muss. Wir haben die Unterstützung des Vorsitzenden der Rektorenkonferenz, Herrn Ullrich, der sich der Diskussion der Bundeskonferenz gestellt hat. Außerdem waren Vertreter aller relevanten Gewerkschaften und der Deutsche Tonkünstlerverband vertreten. Es wurde ausgiebig beraten, auf welche Gewerkschaft man sich bundesweit konzentrieren möchte und hat sich eindeutig für die Deutsche Orchester Vereinigung entschieden, die uns schon von Beginn an unterstützt hat und in Musikerbelange am besten eingearbeitet ist. Landesweit hoffen wir außerdem auch auf die GEW und ver.di rechnen zu können.

Welche Ziele haben Sie formuliert?
Unsere Forderungen richten sich in erster Linie an die Politik, denn jeder Hochschule muss sehr viel mehr Geld zur Verfügung gestellt werden, um langfristig die Lehraufträge durch feste Stellen – auch Teilzeitstellen –  ersetzen zu können und kurzfristig eine deutliche Erhöhung der Honorare und eine jährliche Angleichung an die Tariferhöhungen des öffentlichen Dienstes einführen zu können.. Der Bund und die Länder haben lange genug von billigen Lehrkräften profitiert. Wir wollen über die Politik und die Öffentlichkeit ein breites Bewusstsein für die Problematik schaffen.

Welche konkreten Schritte haben Sie jetzt vor?
Bundesweit können wir erst mal nicht viel machen, trotzdem passiert einiges: die Bundespartei der Grünen hat einen Antrag auf Einführung eines Mindestlohnes für LBs an Musikhochschulen verabschiedet, der im Bundestag verhandelt wird. Das ist ein enormer Erfolg, auch wenn nicht anzunehmen ist, dass der Antrag durchkommt.
 Jede Hochschule ist unterschiedlich weit und muss die Wege für sich gehen, dafür haben wir einen großen Katalog aufgestellt. Es gibt z.B. an vielen Hochschulen das Problem, dass LBs nicht einmal das Recht haben, in Gremien vertreten zu sein, da sie keine Mitglieder, sondern nur Angehörige der Hochschule sind. Für uns hat dieser Status  z.B. die Folge, dass wir als einzige nicht das Recht haben QSL-Mittel zu beantragen.

Wirklich?
Ja. Weitere Schritte sind dann, den Senat zu informieren. Das habe ich bereits getan und es gab eine positive Diskussion, aber zu einer Stellungnahme ist es noch nicht gekommen.  Mit den Präsidien müssen Gespräche stattfinden, wie sie bei uns schon stattgefunden haben. Dabei muss man versuchen die Präsidien davon zu überzeugen, dass unsere Ziele auch ihre Ziele sein müssten, und sie mit uns gemeinsam an die politisch Verantwortlichen herantreten. Und wenn sie uns nicht begleiten können, dann muss dieser Weg  ohne die Präsidien gegangen werden.

Was würden Sie gerne über die QSL-Mittel finanzieren?
Sie wissen, dass es viele LBs gibt, die Überstunden machen. Oft sind und waren z.B. Abschlussprüfungen nach den letzten Semesterferien. Was macht man, man unterrichtet in den Ferien. Umsonst. Und wir bemühen uns, Ihnen das nicht spürbar zu machen. Das ist das Dilemma: Wir versuchen so zu tun, als wäre das Problem nicht da und dadurch gibt es keinen Handlungsbedarf.
 Die QSL-Mittel sollen zur Verbesserung der Lehre eingesetzt werden. Wenn man davon ausgeht, dass alle anfallenden Überstunden – wenn sie nicht bezahlt werden – nicht geleistet würden – kann das Ermöglichen der Überstunden nur als eine Verbesserung der Lehre aufgefasst werden. Der Antrag zur Bezahlung der Überstunden wurde aber abgelehnt, u.a. weil ich ihn gar nicht stellen durfte. Bis zu diesem Zeitpunkt war es allerdings Usus, dass auch LBs QSL-Mittel beantragen konnten.

„Das ist das Dilemma: Wir versuchen so zu tun, als wäre das Problem nicht da und dadurch gibt es keinen Handlungsbedarf.“

Könnte die Hochschule nicht die Satzung der QSL-Mittel ändern und für die Bezahlung der Überstunden eine Regelung finden?
Vielleicht; zu dieser Frage sagte die Kanzlerin  im Senat: „es ist ja alles möglich“. Ich war zu einem Gespräch im Dekanat des FB II eingeladen und man war dort sehr bemüht eine Lösung zu finden. Über ein kompliziertes Verfahren lassen sich evtl. Überstunden durch QSL-Mittel finanzieren. Ob die Dekanate aber die Kapazitäten haben, sich darum zu kümmern, möchte ich bezweifeln.
 Ich vermisse, dass von oberer Stelle mal ein Zeichen gesetzt wird, damit die LBs merken, die Hochschule will sich wirklich für sie einsetzen. 40 LBs haben einen Brief an Herrn Rietschel geschrieben mit der Aufforderung, die wunderbaren Erfolge des  Fundraising auch für eine Erhöhung der LB-Honorare zu verwenden.. Der Vorschlag wurde sofort verworfen und die Aktion nicht weiter beachtet.

Wenn man aus Fundraising und QSL-Mitteln den LBs keine Gelder zur Verfügung stellen kann oder möchte, dann müsste es doch andere Wege geben?
Es wird gesagt, es sei kein Geld da. Im Senat stand der Vorschlag im Raum, man könne allen LBs pro Stunde einen Euro mehr zahlen. Das kostet 50 000 Euro im Jahr, das ist so viel wie eine Professur oder ein Flügel. Also kauft man vielleicht einmal einen Flügel nicht. Ein Euro mehr. wäre auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein,  aber lieber einen Tropfen als immer nur ein Schulterzucken. Allerdings hat man zurzeit offenbar auch kein Geld für einen Flügel.

Ich glaube, den meisten, und damit meine ich nicht nur Studenten, ist gar nicht bewusst, wie die Situation der LBs eigentlich aussieht. Man macht sich da wenig Gedanken drüber.
Es sind letztendlich viel mehr Themen als die ungleiche Bezahlung gleicher Arbeit.. Dazu kommt diese unglaubliche Unsicherheit, denn man weiß von Semester zu Semester nicht, wie viele Stunden man bekommen wird.. Selbst wenn man davon ausgeht „mein Lehrauftrag, der läuft schon weiter“.

Wann erfahren Sie, wie viele Studenten Sie im nächsten Semester bekommen?
So ein, zwei Wochen nach Beginn des Semesters, manchmal schon am ersten Tag.

Das heißt, wenn Sie merken, Sie kommen finanziell nicht mehr hin, haben Sie keine Chance mehr, noch Ersatz zu finden.
Ja.

Was für Verträge haben die LBs hier?
Es nennt sich noch nicht mal Vertrag im juristischen Sinn, es ist ein Auftrag. Im Auftrag heißt es -  er wird für maximal acht Stunden erteilt - Prüfungen werden nicht extra vergütet und nur die gegebene Stunde wird bezahlt. D.h. Krankheit und Feiertage werden nicht bezahlt, es sei denn, man holt die Stunden nach; es gibt keinen Schwangerschaftsschutz, keine Elternzeit und keine Garantie, wieder in den Beruf zurück kehren zu können. Es gibt noch nicht mal Versicherungsschutz. Dieser Vertrag kann ohne Nennung von Gründen  nicht weiter erteilt werden. Und da passiert es dann schon mal, dass der betreffende LBs davon nicht einmal informiert wird.

Das heißt, Sie wissen das nicht im Voraus, sondern Sie merken nur irgendwann, der Auftrag hätte jetzt eigentlich kommen müssen?
Oder sie bekommen einen Anruf, „Warum haben Sie den Schlüssel für Ihr Postfach noch nicht abgegeben?“

Wann wird der Brief mit dem Auftrag verschickt?
Der kommt immer irgendwann in den Semesterferien. Es ist auf jeden Fall nicht so spät wie die Zuteilung der Studenten. Das Problem bei der Zuteilung ist, dass es bei einer so großen Zahl von LBs natürlich höchst kompliziert ist, allen gerecht zu werden. Aber es muss eine Lösung geben, die die Unsicherheit wenigstens mindert. Könnte man z.B. grundsätzlich von mindestens fünf Semester-Wochen-Stunden ausgehen, dann hätte man wenigstens eine gewisse Planungssicherheit. Etwa mit einer Regelung, dass,  was in einem Jahr weniger unterrichtet werden konnte, im folgenden Jahr kompensiert würde. Das ist das sog. Schweizer Modell.

Sind die Hochschulen rechtlich dazu in der Lage, sowas zu machen?
 Ob die Hochschule ein „Schweizer Modell“ eigenständig einführen  könnte, weiß ich nicht. Ich stelle mir eigentlich vor, dass man sich zusammen setzt und überlegt, wie man eine größere Planungssicherheit herstellen könnte. Aber darin wird zurzeit keine Notwendigkeit gesehen. Ich bin mir gar nicht mal sicher, ob es wirklich eine Regelung geben kann. Möglicherweise läuft es darauf hinaus, dass man erkennen muss: Das ist eben das Prinzip Lehrbeauftragter. Und dieses Prinzip ist nicht tragbar auf Dauer. Das Prinzip sagt nämlich, wir haben ja deswegen Lehraufträge, damit wir die Stunden flexibel handhaben können.

Carola Schlüters Projekte an der HfMDK:

 

  1. Überstunden sollen bezahlt werden.(durch QSL-Mittel)
  2. Prüfungen sollen vergütet werden.
  3. Den LBs soll mehr Planungssicherheit gewährleistet werden.
  4. Die Satzungen für die zentralen und dezentralen Vergabemittel (QSL-Mittel) sollen so geändert werden, dass auch LBs Anträge stellen können (Professoren und Studenten dürfen Anträge stellen).
  5. 5.       Das durch Fundraising gesammelte Geld soll auch den LBs zu Gute kommen (zur Erhöhung der Honorare)

Ist es für Sie überhaupt möglich so viele Projekte zu betreuen?
Ich muss sagen, ich gerate da an meine Grenzen und ich suche zurzeit wirklich händeringend nach Mitstreitern. Es ist schwer alle diese Projekte zu verfolgen. Und ich vermisse, dass es von der anderen Seite einmal heißt: Dieser Punkt kommt jetzt ganz nach oben auf die Liste. Das ist ein Grund warum viele Kollegen hier nicht gut zu mobilisieren sind. Wir sind es gewöhnt, dass unsere Anliegen mit einem Schulterzucken abgetan werden, und das seit Jahrzehnten. Das war gesellschaftsfähig bisher.

Eigentlich müsste Ihre Arbeit ja schon vergütet werden.
Stimmt. Die Zeit, die ich für diesen Job investiere ist sicher mehr als die, die ich hier unterrichte. Kleiner Nebenhinweis: für die 2. bklm in Berlin wurden Briefe an alle Rektoren geschickt mit der Bitte, den Lehrbeauftragten-Vertretern die Teilnahme zu ermöglichen und die Reisekosten zu übernehmen. Unser Präsidium hat das abgelehnt. Selbst das! Wir haben das den Kollegen geschrieben und ein rotes bklm-Spar--Schwein an der Pforte aufgestellt, das von ihnen gefüttert wurde. Ein paar Kollegen waren wirklich geschockt!

Können wir Studenten Ihnen überhaupt helfen?
Ja. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass das Thema präsent ist. Wir möchten auf gar keinen Fall, dass die Studenten in irgendeiner Weise instrumentalisiert werden. Sie sollen kein schlechtes Gewissen haben, wenn Sie bei uns Unterricht nehmen. Wir machen den Beruf wirklich gerne und sind mit großer Leidenschaft dabei. Wenn wir, wie geplant, irgendwann einen großen bundesweiten Aktionstag machen, werden wir sicherlich auch auf Sie zukommen mit der Bitte, uns zu unterstützen. Wir wollen, dass alle über die Problematik Bescheid wissen und das Thema in der Gesellschaft, zumindest in der, die mit Kultur zu tun hat, ankommt, dass ein Problembewusstsein entsteht und für alle klar wird, dass es so nicht weiter gehen kann.

Für Professoren hat die LB-Situation doch auch Nachteile, zum Beispiel wenn sie größere Projekte umsetzen wollen.
Das stimmt. Ein großer Nachteil ist für die Professoren, dass sie als relativ kleine Gruppe die gesamte Selbstverwaltung schultern müssen. Dass es schwer ist, die Fachgruppe an einen Tisch zu bekommen, hatte ich ja schon erwähnt. Im Bereich Schauspiel existiert beispielsweise das Problem, dass Teamsitzungen üblich und notwendig sind, aber den LBs nicht vergütet werden können.

„Ich vermisse, dass es mal heißt: Dieser Punkt kommt jetzt ganz nach oben auf die Liste.“

Das heißt, von Ihnen wird viel Flexibilität erwartet, aber die Hochschule selbst ist unflexibel.
Richtig.

Eigentlich ist es doch schon ironisch, dass die Hochschule Musiker so schlecht bezahlt, wo doch Musiker immer um eine angemessene Bezahlung kämpfen.
Ich muss sagen, das sind die Gesetze des Kapitalismus. Man nimmt es so billig wie’s geht. Da muss man sich auch nicht wundern, dass die Bezahlung im Bereich der Professoren schon nicht mehr so toll aussieht. Das ist das Prinzip von Angebot und Nachfrage.

Abschließend möchte ich Ihnen noch eine persönliche Frage stellen. Waren Sie schon oft frustriert mit der Situation oder hatten das Gefühl, dass ihre Arbeit und ihre Person von der Hochschule nicht gewürdigt werden?
Ja klar. Aber, das muss ich jetzt auch einmal sagen, es ist wirklich eine fantastische Arbeit an der Hochschule. Ich liebe es mit den Studierenden zu arbeiten und ich vergesse dabei meine Probleme sofort. Es ist einfach eine tolle Sache.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Schlüter.