Agnes Krumwiede, Mitglied des Deutschen Bundestages, Sprecherin für Kulturpolitik Bündnis 90/Die Grünen
Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen (BKLM), Sprecherinnen und Sprecher,
Berlin, 02.05.2011, Stellungnahme zur „Frankfurter Resolution“
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich danke Ihnen und insbesondere Frau Eva Schüttler für die Zusendung der Frankfurter Resolution,
welche die Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen (BKLM) am 22./23. Januar 2011
in der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main verabschiedet hat.

 

Als kulturpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen unterstütze ich die
Frankfurter Resolution, in der die prekären Beschäftigungsverhältnisse von Lehrbeauftragten an
Musikhochschulen aufgezeigt und konkrete Forderungen zur Verbesserung der Situation formuliert werden.

An den 24 Musikhochschulen in Deutschland wird das Unterrichtsangebot teilweise bis zu 60 % durch
Lehrbeauftragte sicher gestellt, deren Arbeit in der Regel durch Honorarverträge vergütet wird. Gerade
vor praktischen oder theoretischen Prüfungen übersteigt der Zeitumfang von Lehrbeauftragten in
Nebenfächern und im Bereich Korrepetition an Musikhochschulen oftmals die abzurechnende
Semesterwochenstundenzahl. Nicht selten übernehmen Lehrbeauftragte an Musikhochschulen das
Unterrichten von HauptfachstudentInnen in Vertretung der/des Hauptfach-ProfessorIn, vor allem, wenn
diese noch im Konzertbetrieb aktiv tätig sind.

Obwohl Lehrbeauftragte das gleiche Maß an Arbeit und Verantwortung zu bewältigen haben, erhalten
sie lediglich ein Drittel des Stundensatzes wie fest angestellte Lehrende und befinden sich unter
Vertragsbedingungen, die ihrer hohen beruflichen Qualifikation nicht annähernd gerecht werden.
Lehrbeauftragte erhalten keine Honorarfortzahlung im Krankheitsfall, haben keinen Anspruch auf
Mutterschutz und können zu jedem Semester ohne Angabe von Gründen gekündigt werden. Gemessen
am zu bewältigenden Arbeitspensum und angesichts der hohen beruflichen Qualifikation der meisten
Lehrbeauftragten an Musikhochschulen ist deren Beschäftigungsverhältnis als prekär und teilweise
sittenwidrig einzustufen.

Diese Situation ist nicht weiter tragbar, es besteht politischer Handlungsbedarf.
Um der bereits seit Jahren kritisierten Inhomogenität der Lehrbeauftragten im Bundesgebiet entgegen
zu wirken und eine deutliche Verbesserung der Situation von Lehrbeauftragten gewährleisten zu können,
bedarf es einheitlicher Rahmenbedingungen, die – unter Vorbehalt der juristischen Prüfung – gesetzlich verankert werden müssen.

Als Kernpunkte der Rahmenbedingungen möchte ich zur Diskussion stellen:

-Die Festlegungen einer einheitlichen gesetzlichen Honoraruntergrenze, die bei der Vergabe von
Honorarverträgen an Lehrbeauftragte nicht unterschritten werden darf und von einer
Kommission aus Vertretern des BKLM, der Musikhochschulen, der Landesministerien, des
Bundes und relevanten Organisationen und Gewerkschaften (bspw. DMR, DTKV, DOV und GEW)
regelmäßig festgesetzt und an die arbeitsmarktrelevanten Bedingungen angepasst wird.

-Die Festlegung eines durch die Kommission zu bestimmenden Prozentsatzes über das Verhältnis
zwischen Lehraufträgen und Festanstellungen, um einerseits eine flexible Handhabung des
Lehrangebotes zu gewährleisten und gleichzeitig die Lehre an Musikhochschulen mehrheitlich durch feste Anstellungsverträge sicher zu stellen.

Darüber hinaus müssen Lehrbeauftragte angemessen in den Hochschulgremien vertreten sein und als Mitglieder der Musikhochschulen anerkannt werden.

Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass die Festlegung einer Honoraruntergrenze eine
Erhöhung des Stundensatzes für Lehrbeauftragte zur Folge haben würde. KritikerInnen argumentieren,
dass aufgrund einer solchen Erhöhung entweder Unterricht gestrichen oder die Stundenanzahl für
Lehrbeauftragte gekürzt werden müsste und demzufolge möglicherweise das deutsche
Musikhochschulsystem in der bestehenden Form zusammenbrechen könnte. Aber ein System, das auf
prekären Arbeitsverhältnissen beruht, ist dysfunktional und aus sozialen sowie qualitativen Gründen
reformbedürftig. Denn angemessene Lehrbedingungen sind entscheidend für die Qualität der Lehre,
somit für den Studienerfolg und die Innovationsfähigkeit von Bildungseinrichtungen. Eine Beendigung
der prekären Beschäftigungsverhältnisse von Lehrbeauftragten ist zur Sicherung der Lehrqualität an
Musikhochschulen dringend notwendig

Ich würde mich freuen, wenn mein Vorschlag, die Einführung einer „Honoraruntergrenze für
Lehrbeauftragte“, zur konstruktiven Diskussion beiträgt und zu gemeinsamen Initiativen führt, um die
Situation von Lehrbeauftragten an Musikhochschulen endlich zu verbessern.

Mit freundlichen Grüßen

Agnes Krumwiede MdB

Platz der Republik 1 • 11011 Berlin
Unter den Linden 50
Raum 2031
Tel: 030 227 – 71617
Fax: 030 227 – 76598
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Internet: www.agnes-krumwiede.de