Frau Ministerin

Dr. Ursula von der Leyen MdB

Platz der Republik 1

11011 Berlin

Werkverträge, Lehrbeauftragte an Musikhochschulen                           Freiburg, 19.11.2013

 

Sehr geehrte Frau Dr. von der Leyen,

mit Interesse habe ich Ihre Aussagen zum Missbrauch von Werkverträgen vernommen.

 

Dies ist aktuell auch Thema der Koalitionsverhandlungen.

Die Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen (bklm) möchte Sie deshalb auf die Situation der Menschen in Werkverträgen an Musikhochschulen aufmerksam machen, den sogenannten Lehrbeauftragten.

Es handelt sich um ca. 5000 Menschen an den 24 Musikhochschulen in Deutschland, die bis zu 50% der Lehre dort dauerhaft absichern. (Anlage Frankfurter Resolution)

Nach einer Umfrage der bklm (Anlage) vom Frühjahr 2012 sind bis zu 60 % der Lehrbeauftragten von diesen halbjährlich vergebenen Ketten- Werkverträgen existentiell abhängig und erfüllen diese in einer Art Scheinselbstständigkeit manchmal seit Jahrzehnten.

Dies ohne berufliche Perspektive und zu Sätzen, die auf oder unter dem Niveau der 80-er Jahre liegen. 

Übergeordnete politische Interessen und die der Musikhochschul-Leitungen treffen sich meist zum Nachteil der Lehrbeauftragten, die ohne jeglichen rechtlichen Schutz sind.

Personalräte, die regulierend oder schützend eingreifen können, gibt es in der Regel nicht.

Da die Werkverträge einseitig zu Gunsten des Vertragsgebers geregelt sind und ein gewerkschaftlicher Zusammenschluss der Lehrbeauftragten auf Grund der beruflichen Patchwork-Tätigkeit dieser Menschen mit mehren Jobs fast unmöglich ist, sind die Lehrbeauftragten an Musikhochschulen alleine auf die Einsicht der politisch Verantwortlichen angewiesen, dass hier Unrecht geschieht.

Anders als an den dualen Hochschulen, garantieren die Lehrbeauftragten die Existenz der Musikhochschulen, dies vor allem im Einzelunterricht mit hoher Stundenzahl.

Durch Vertragsstückelung versuchen die Rektoren Protest zu umgehen.

In Anlage finden sie eine Stellungnahme der Rektoren zu Mindeststandarts (Anlage), die die bklm gefordert hat.

Der auch zu meinem persönlichen Bedauern letzthin verstorbene Minister a.D. Dr. Thomas Schäuble, bis vor kurzem Hochschulrats-Mitglied an der Freiburger Musikhochschule, äußerte sich darüber wie folgt (und er hat mir erlaubt, ihn öffentlich zu zitieren): „..es ist hier eine Art mindere Arbeit geschaffen worden, der Staat hat hier Dreck am Stecken!“

Die Länderkompetenz in dieser Frage ist mir bestens bekannt.

Im Oktober 2012 war ich zu einer Anhörung „Prekäre Arbeitsverhältnisse an Hochschulen“ in den hessischen Landtag geladen.

Bitter ist für uns als Musiker und Lehrer aber, wenn die Bedeutung der Musikhochschulen für das Ansehen Deutschlands in der Welt immer wieder herangezogen wird, wie in einer Rede des Bundespräsidenten im Sommer 2012, die Lehrbeauftragten andererseits die Aussage eines hochrangigen CDU-Politikers in Sachsen zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Lösung bei den Musikhochschulen läge und diese doch (sinngemäß) darüber nachdenken sollten, nicht so viele international tätige Professuren zu engagieren, sondern billigeres Personal für die Lehre anzustellen.

Man überlässt hier ungeschützt abhängiges Lehrpersonal einem harten Verteilungskampf innerhalb der Musikhochschulen, ohne die Aufsichtspflicht wahrzunehmen.

Sehr geehrte Frau Minsterin, dankenswerterweise haben Sie sich ja kritisch zu dem missbräuchlichen Einsatz der Werkverträge in der Wirtschaft geäußert.

Sie vertreten Werte, die mir und meinen Kollegen Hoffnung machen, dass Ihnen auch nicht gleichgültig ist, welche Wege die Musikhochschulen in Deutschland wählen, um Ihre Existenz abzusichern.

Auch scheinen Sie der Musik zugetan zu sein und habe sich zur Bedeutung der Musik für die Menschen mehrfach in der Öffentlichkeit geäußert.

Mir ist bewußt, dass Sie als Bundesministerin sich nicht um jeden Missstand persönlich kümmern können.

Es wäre mir und der bklm aber ein Anliegen, in Ihrer Partei auf allen Ebenen eine Sensibilisierung für dieses Problem zu erreichen.

.......

Für eine „Hellhörigkeit“ Ihrerseits bezüglich der Musikhochschulen wären wir Ihnen außerordentlich dankbar, denn wie Immanuel Kant sagt: „die Idee der Moralität gehört zur Cultur.“ Ich möchte ergänzen: auch zur Musik.

Mit besten Wünschen und Dank für Ihre wichtige Arbeit,

 

Ulrike Höfer

Stellv. Sprecherin bklm

www.bklm.org

 

Schlossbuck 9

79112 Freiburg

Tel: 07664-914 98 23

 

 

Anlagen:

 

1 Frankfurter Resolution (2011)

2 Umfrage bklm (2012)

3 Mindeststandarts bklm

4 Stellungnahme der RKM (Rektorenkonferenz der Musikhochschulen in Deutschland)