SS 2012

Gedanken zur gegenwärtigen Situation der Lehrbeauftragten, vorgetragen von Eckhart Hermann am 8.11.2011 im Senat der Hochschule für Musik und Theater München

von Eckhart Hermann

 

Die grundsätzliche Situation der Lehrbeauftragten an den deutschen Musikhochschulen ist seit Jahrzehnten so gut wie unverändert. Sie leisten einen großen und unverzichtbaren Anteil am gesamten Unterricht der Musikhochschulen, je nach Hochschule zwischen 30 und 70 Prozent, sie sind also für den Unterrichts- und Prüfungsbetrieb der Hochschulen absolut unentbehrlich. Keine der deutschen Musikhochschulen könnte ihren gesetzlichen Ausbildungsauftrag ohne die Mitwirkung ihrer Lehrbeauftragten erfüllen. Diese hochqualifizierte Mitwirkung müssen sie jedoch leider unter äußerst unzureichenden finanziellen und rechtlichen Bedingungen erbringen. Die Vergütung für ihre Arbeit beträgt, je nach Berechnungsmethode, etwa ein Drittel bis knapp die Hälfte dessen, was vergleichbare festangestellte Hochschullehrer erhalten und stagniert, ungeachtet kleiner, eher kosmetisch anmutender Verbesserungen, seit Jahrzehnten auf diesem unzureichenden Niveau ohne jegliche Anpassung an die allgemeine Einkommensentwicklung. Ich darf hierzu unseren Präsidenten Prof. Dr. Mauser zitieren: „Fraglos muss die derzeitige Bezahlung der Lehrbeauftragten nach wie vor als skandalös empfunden werden.“

Nicht weniger skandalös sind auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für ihre Arbeit. Die Vereinbarungen, mit denen sie zu Lehrbeauftragten bestellt werden, gelten im Normalfall lediglich für ein Semester, allerhöchstens für ein Studienjahr. Es gibt keine Rechtssicherheit, sie genießen keinen verlässlichen Schutz im Fall von Krankheit oder Schwangerschaft, und sie sind in den meisten Hochschulen nicht angemessen, also mit eigenem Sitz und vollem Stimmrecht, in den Gremien vertreten. Insgesamt kann man sagen, dass hier dauerhaft Zustände bestehen, die eines modernen Sozial- und Kultur-Staates absolut unwürdig sind. Nicht zu Unrecht werden die Verhältnisse inzwischen von manchen Politikern als teilweise sittenwidrig bezeichnet.

Besonders prekär ist die Lage für diejenigen Lehrbeauftragten, die seit vielen Jahren mit hoher Unterrichtsverpflichtung in der Hochschule tätig sind und in keinem anderen festen Arbeitsverhältnis stehen. Für sie stellt das Risiko, dass ihr Lehrauftrag beendet wird, eine existentielle Bedrohung dar. Dabei brauchen die Hochschulen gerade aus dieser Gruppe zahlreiche Dozenten sehr dringend: ohne ihre Erfahrung und ihre bewährte fachliche Kompetenz wäre kaum ein Hochschul-Gremium und fast keine Prüfungskommission, auch im Bereich der Staatsprüfungen, rechtsgültig zu besetzen.

Nun kann man manchmal das Argument hören, dass ein Lehrbeauftragter, der im Laufe der Jahre allmählich in eine gewisse Abhängigkeit von seinem Lehrauftrag gerät, bei der Planung seines Berufslebens eben Fehler gemacht habe und das Instrument des Lehrauftrags nicht richtig verstanden habe. Daraus wird dann der Rat an jüngere Lehrbeauftragte abgeleitet, alles zu tun, um eine solche Abhängigkeit von der Lehrauftrags-Tätigkeit zu vermeiden. Das klingt zunächst einleuchtend und plausibel; bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass die Hochschulen vor fast unlösbare Probleme gestellt würden, wenn alle Lehrbeauftragten sich entsprechend verhalten würden. Es gäbe dann nämlich nur noch kleine Lehraufträge von wenigen Stunden, die zudem alle nach wenigen Jahren durch die Lehrbeauftragten selbst beendet würden. Die Folge wäre, dass z.B. an der Münchener Hochschule statt derzeit über 300 Lehrbeauftragte vielleicht kurzfristig 500 oder 600 Lehrbeauftragte benötigt würden, die zudem alle paar Jahre ausgetauscht werden müssten. Der Gesamtaufwand für die Verwaltung und häufige Neuberufung wäre monströs und nicht zu leisten. Außerdem gäbe es zwei neue gravierende Probleme für die Hochschulen: erstens wäre es selbst für Hochschulen in großen Städten praktisch unmöglich, alle paar Jahre ein solches Heer von mehreren hundert ausreichend qualifizierten und erfahrenen Dozenten zu finden; Hochschulen in kleineren Städten wären dazu überhaupt nicht mehr in der Lage. Und zweitens müssten die Hochschulen ihren Studierenden in zahlreichen Fächern Lehrerwechsel während des laufenden Studiums zumuten. Diese Praxis wäre jedoch mit den neuen modularisierten Strukturen des Studiums, bei denen pädagogische Konzepte von mehrjähriger Laufzeit die Regel sind, völlig unvereinbar. Ein vorschriftgemäßer Studienbetrieb wäre bei ständiger Fluktuation vieler Dozenten kaum mehr gewährleistet.

Das alles zeigt, wie sehr die Hochschulen gerade auf ihre langjährigen Lehrbeauftragten wirklich angewiesen sind. Alle Verantwortlichen in den Hochschulleitungen, in den Ministerien und in den politischen Instanzen sollten sich deshalb intensiv darum bemühen, die Arbeitsbedingungen für die Lehrbeauftragten insgesamt nachhaltig zu verbessern, um somit die Qualität und Kontinuität der Lehre dauerhaft zu sichern. Diese Ziele hat sich auch Prof. M. Ullrich, der neue Vorsitzende der Konferenz der Musikhochschuldirektoren, für seine Amtszeit vorgenommen und zugesagt, den Dialog mit den Lehrbeauftragten und der neu gegründeten Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen (bklm) dauerhaft zu führen. Ich möchte den Senat und die Hochschulleitung herzlich darum bitten, ihn hierbei nach Kräften zu unterstützen!

 

 

24.3. 2011

Die FR am 15.3. im Senat in München

Bericht von der  Senatssitzung am 15.3.2011 in München, bei der u.a. auch die FR auf der  Tagesordnung stand. Ich hatte dafür gesorgt, dass Herr Dr. Hewig (DTKV), der
auch Ehrensenator der Hochschule ist, zu diesem TOP als Gast eingeladen  war. Er skizzierte kurz die bisherige Entwicklung, auch aus Sicht des  DTKV, und schilderte dann die Entstehung der bklm und der FR. In der anschließenden Diskussion wurde sehr schnell deutlich, dass es zwar allerlei allgemeine verbale Verständnis-Bekundungen für die
schwierige Lage der LB gibt, dass es jedoch keine wirkliche solidarische Position gibt, sobald es konkret wird. Die Hochschulleitung lehnt faktisch alle Veränderungen am Status der LB ab, sie ist auch nicht bereit, LB vorrangig auf Mittelbaustellen zu berufen, sondern besteht darauf, dass grundsätzlich ein offenes Verfahren durchgeführt wird. …Es war deutlich zu spüren, dass ganz allgemein Forderungen von LB eher als unangemessen betrachtet werden. Die einzigen Punkte, die konsensfähig waren, sind die Forderung nach besserer Bezahlung und die langfristige Senkung des hohen LB-Anteils in den großen Pflichtfach-Bereichen. Ergebnis der Diskussion: der Senat nimmt die FR zur Kenntnis und bemüht sich weiterhin, die Situation der LB schrittweise zu verbessern. Mehr war nicht möglich an diesem Tag.

 

April 07, 2011

Kurz nach Fertigstellung wurde die FR am Schwarzen Brett der LB ausgehängt. Vorstellung der FR im Senat und im Hochschulrat durchgeführt. Die entsprechenden Protokolle sind nach Freigabe in der Hochschule öffentlich einsehbar, und jeder Kollege, der an diesem Thema interessiert ist, kann sie lesen. ….Zahlreichen Kollegen wurden im direkten Gespräch die aktuelle Entwicklung mitgeteilt….
Rundmail an alle Kollegen in  München, es sind also alle hier auf dem aktuellen Informationsstand.