Pressemitteilung 16. 9. 2014     LANDESMUSIKRAT BADEN-WÜRTTEMBERG e.V.
Noch vor einem Jahr gab es Pläne im Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Zahl der Musikhochschulen in Baden-Württemberg von fünf auf vier, wenn nicht gar auf drei zu vermindern.

Davon hat man zwischenzeitlich Abstand genommen, und in der Tat hätte ein solches Vorhaben dem Musikland Baden-Württemberg schweren Schaden zufügen können. Inzwischen hat man sich im Wissenschafts-ministerium zu allen Standorten bekannt und in fünf Zukunftssymposien über eine Profilschärfung der Musikhochschulen beraten. Dies ist ein einmaliger Vorgang, der erhebliche Entwicklungschancen in sich birgt und aus diesem Grund vom Landesmusikrat ausdrücklich begrüßt wird. Mit Blick auf die Konsequenzen aus diesen Zukunftskonferenzen hält der Landesmusikrat dabei nachstehende Positionen für unverzichtbar:

1. Durch den Solidarpakt für die Hochschulen des Landes, der in den kommenden Jahren Zuwendungen in Höhe von 1,7 Mrd. Euro vorsieht, sind die ursprünglich vom Landesrechnungshof anvisierten Einsparungen im Bereich von vier bis fünf Millionen für die Musikhochschulen obsolet geworden. Eine Benachteiligung der Musikhochschulen gegenüber anderen Hochschulen ist nicht hinnehmbar, ein Sonderopfer für die Musik darf es nicht geben.

2. Alle fünf Musikhochschulen müssen erhalten bleiben. Gerade diese flächen-deckende Präsenz, die dafür sorgt, dass ein Großteil der Bevölkerung im Einzugs-bereich einer Musikhochschule lebt, sorgt für eine einmalig privilegierte Situation innerhalb der 16 Bundesländer in Deutschland.

3. Musikhochschulen ohne Schulmusikabteilungen sind möglich, aber nicht sinnvoll. Gerade die Studierenden der Schulmusik sind es etwa, die mit ihren Chören, Orchestern und Ensembles in der jeweiligen Region ihrer Hochschule für ein intensives musikalisches Leben sorgen. Dies gilt umso mehr für Hochschulstandorte in einem eher ländlichen Umfeld.

4. Die von allen Hochschulen während der letzten Monate immer wieder eingeforderte Unverzichtbarkeit der künstlerischen Exzellenz wird vom Landesmusikrat ausdrücklich unterstützt. Sie hat jedoch dort ihre elementaren Grenzen, wo originäre Bedürfnisse des eigenen Bundeslandes betroffen sind. In diesem Zusammenhang sei etwa auf das Fehlen hochqualifizierter Dirigenten in weiten Teilen der Laienmusik des Landes verwiesen – teilweise sind bis zu einem Drittel solcher Stellen unbesetzt!
Ähnlich ist die Situation in der Elementaren Musikpädagogik oder aber in der gymnasialen Schulmusik. Gerade was letztere anbetrifft, so muss hier von steigenden Schülerzahlen ausgegangen werden. An den Berufsbildenden Gymnasien, wo derzeit ein Drittel aller Schülerinnen und Schüler die allgemeine Hochschulreife erwirbt, haben derzeit nur 3% aller Abiturienten Musikunterricht erhalten. Sollte dies so bleiben, sind langfristige negative Konsequenzen für das Musikland Baden-Württemberg absehbar.

5. Die finanzielle Situation der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen ist nun schon seit Jahrzehnten in hohem Maße unbefriedigend. Dabei sind doch auch und gerade die Lehrbeauftragten für den Betrieb einer Hochschule unverzichtbar. Die Neuordnung der fünf Musikhochschulen sollte als einmalige Chance genutzt werden, auch hier eine Besserung herbeizuführen.