Der Lehrauftrag an baden-württembergischen und den

meisten deutschen Musikhochschulen

 

 DIE SITUATION

Lehraufträge

- waren ursprünglich gedacht als Ergänzung des festen Lehrangebots

- decken mittlerweile 30% - 70% des Unterrichtes ab (je nach Standort)

- Die Bezahlung führt nachweislich direkt in die Altersarmut.

 

- Für die meisten Lehrbeauftragten ist das Honorar existenzsichernd.

- Ein Lehrauftrag an der Musikhochschule stellt i.d.R. keine Nebentätigkeit dar.

- Prekäre Arbeitsbedingungen der Lehrbeauftragten einseitig zugunsten des Arbeitgebers

  Musikhochschule

- Die Bedingungen werden von der Hochschulverwaltung diktiert. Wer nicht einverstanden ist,

  kann gehen.

 

 

ANFORDERUNGEN AN DIE LEHRBEAUFTRAGTEN

Lehrbeauftragte

- haben in der Regel mindestens einen hervorragend abgeschlossenen Hochschulabschluss

  (oft auch zwei oder drei)

- sind künstlerisch und/oder pädagogisch besonders qualifiziert

- unterrichten an einer der weltweit besten musikalischen Ausbildungsstätten

- werden in der Regel durch ein Bewerbungs- und Auswahlverfahren ausgewählt

 

 

VERTRAGSDAUER

- jeweils für nur 1 Semester über max. 8 Wochenstunden (Baden-Württemberg)

- keine Beschäftigungsgarantie

- der Vertrag endet mit der letzten Semesterwoche und wird jeweils zu Beginn

  des nächsten Semesters neu vergeben.

 

 

BEZAHLUNG

- nur für die gehaltenen Stunden

- kein Geld während der Semesterferien (20 Wochen)

- kein Geld im Krankheitsfall des Lehrers und der Studierenden

-Fahrtkosten bezahlt der Lehrbeauftragte i.d.R. selbst

- Unterricht auf Vorschuss: Bezahlung erst am Ende des Semesters

- kein Geld für Zusammenhangstätigkeiten wie Vor- und Nachbereitung des Unterrichts

- keinerlei Inflationsausgleich seit 30 Jahren. 60 % Wertverlust von 1988 bis heute

  bei stagnierender bis rückläufiger Bezahlung!!!

 

 

PERSPEKTIVE?  ALTERSARMUT!

Nahezu 100 % der hauptberuflichen Lehrbeauftragten

landen in der Altersarmut.

 

RECHENBEISPIEL ALTERSARMUT

Laut der ehem. Arbeitsministerin Von der Leyen droht unterhalb eines monatlichen
Bruttoverdienstes von 2500,- Euro die Altersarmut. Das entspricht inklusive 22 % Arbeitgeberanteil
an den Sozialversicherungen und Rücklagen für Krankheitsausfälle (2 Wochenlöhne) insgesamt
einem Bruttojahreseinkommen in Höhe von 39.000,- Euro.
Daraus ergibt sich folgende Rechnung:
Ein volles Lehrdeputat in einer heute üblichen beruflichen Patchworktätigkeit entspricht
20 Stunden pro Woche. 32 Semesterwochen á 20 Stunden ergeben 640 Stunden im Jahr.
Somit ergäbe sich für Lehrbeauftragte bei 39.000,- Euro Jahreseinkommensuntergrenze ein
Mindest-Stundensatz von 60,93 Euro!!

WAS WIRD WIRKLICH GEZAHLT?

im Schnitt ca. 30,00 Euro pro gehaltener Stunde

Abnahme von Prüfungen: im Schnitt ca. 8,00 Euro pro Stunde

 

AUFSTIEGSMÖGLICHKEITEN? FEHLANZEIGE!

- i.d.R. keine Berücksichtigung bei Bewerbungsverfahren an der eigenen Musikhochschule

- 5000 Lehrbeauftragte stehen 100 bis 150 pro Jahr freiwerdenden Stellen gegenüber.

- Bei familiärer Bindung an den Hochschulort geht die Festanstellungschance für Lehrbeauftragte

  nahezu gegen Null.

- Die Idee eines Qualifizierungslehrauftrages ist mit diesen Zahlen unrealistisch und irreführend.

 

WARUM GIBT ES DANN NOCH LEHRBEAUFTRAGTE?

- Weil notwendige Ausbildungsarbeit geleistet wird, für die keine festen Stellen geschaffen werden!

- Weil den meisten Lehrbeauftragten nicht bekannt ist, wie gering ihre reellen Chancen auf

  Festanstellung tatsächlich sind.

- Weil hoch qualifizierte und begeisterte Pädagogen und Künstler die Arbeit mit ebenso hoch

  qualifizierten Studierenden aus der ganzen Welt sehr schätzen (Berufsehre).

- Weil die zeitlich begrenzten Unterrichtsverträge juristisch so abgesichert wurden, dass kaum eine

  Chance besteht, dagegen arbeitsrechtlich vorzugehen.

 

SOLIDARITÄT!

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VIELEN DANK!

Die Lehrbeauftragten der Musikhochschulen in Baden-Württemberg

 

 

INFO

www.bklm.org | www.dov.org