Baden-Württemberg

Freiburg hat als einzige Hochschule in Baden-Württemberg am 1. Juli 2015 im Senat einstimmig beschlossen, die Lehrverpflichtung im Mittelbau nicht zu erhöhen. Die bklm begrüßt das ausdrücklich. Um den Lehrauftragsetat anzuheben, werden stattdessen zwei W3 Professuren als W2 ausgeschrieben. Mannheim hat eine stufenweise Erhöhung des Mittelbau geplant. In Trossingen wird zur Gegenfinanzierung eine W3-Professur als W2 ausgeschrieben, zwei Mittelbaudeputate erhöhen sich um je zwei Stunden. Von 24 auf 25 steigt die Lehrverpflichtung im Mittelbau in Stuttgart und es werden 6 W 3 Professuren als W 2 ausgeschrieben werden, in Karlsruhe werden künftig halbe Mittelbaustellen zu jeweils 14 Stunden ausgeschrieben. 

An die Vorsitzende des Ausschusses

Wissenschaft, Forschung und Kunst

Frau Helen Heberer MdL

 

Landtag von Baden-Württemberg

Konrad – Adenauer – Strasse 3

70 173 Stuttgart

                                                                  19. Februar 2014

Stellungnahme Lehrbeauftragte Musikhochschulen zum Gesetzentwurf 3. HRÄG

(Schriftform, weicht von der gehaltenen Rede ab)

Sehr geehrte Frau Heberer,

im Namen der Lehrbeauftragten (LB) an Musikhochschulen (MHS) danke ich Ihnen und den Fraktionen sehr herzlich für die Gelegenheit zur Stellungnahme.

Im Landeshochschulgesetz(LHG) wird der LA an MHS wie folgt behandelt:

1.der LA wird als Nebentätigkeit definiert

2.die Lehrbeauftragten (LB) stellen keine Gruppe dar

3.die LB sind Angehörige, nicht Mitglieder der MHS

4.sie erhalten zwar das aktive Wahlrecht (d.h. sie können die akademischen Mitarbeiter mitwählen)

5. den MHS ist aber nach wie vor freigestellt, dass passive Wahlrecht über die Grundordnung zu gewähren(wie in S, FR, KA) oder auch nicht (MA und TR), dies gilt ebenfalls für die Mitsprache in Fachgruppen/Fakultäten.

6. und wenn sie das passive Wahlrecht erhalten, haben sie offiziell keine Gruppenvertretung(siehe Punkt 2).


An den MHS dient nach dem alten und neuen LHG der Lehrauftrag aber auch der Sicherstellung der Lehre, was eine Sonderstellung darstellt.

Die Definition der LB im LHG ist unserer Meinung nach zwiespältig. Ebenso widerspricht die Definition im LHG der realen Situation der LB in den MHS.

An den MHS in Baden-Württemberg (BW) werden 40 % des Lehrangebots im Lehrauftrag abgedeckt (50 – 60% des Lehrkörpers, ca. 730 Lehrbeauftragte).

Die Realität sieht so aus, dass ohne die LB der Unterrichtsbetrieb komplett zusammenbrechen würde. Viele Fachbereiche bestehen an den MHS nur aus einer oder zwei festen Stellen und mehreren LB.

Zudem sind die MHS vergleichsweise kleine Insitutionen, so dass der Leistungsfähigkeit jedes einzelnen Lehrers eine besondere Bedeutung zukommt.

Die Tätigkeit eines LB an einer MHS stellt in der Regel keine Nebentätigkeit dar.

Nicht im Bezug auf die Arbeitssituation des LB: dort ist der LA im Rahmen einer Patchworktätigkeit in vielen Fällen (ca.60 % der LB) als Haupttätigkeit anzusehen.

Und nicht im Bezug auf die Studierenden: die besonderen Unterrichtsformen an einer MHS (hauptsächlich im Einzel- und Kleingruppenunterricht) erfordern eine intensive Betreuung der Studierenden, die im Rahmen einer Nebentätigkeit nicht zu leisten wäre.

Die zwiespältige Situation der LB zeigt sich auch in der möglichen Frage einer Hochschulratsmitgliedschaft: Wäre ein LB dort externes oder internes Mitglied?

„Nur“ Angehöriger der MHS zu sein, wird in den MHS als Diskriminierung wahrgenommen. Die Studierenden (Schutzbefohlene ihrer Lehrer) sind als Mitglieder der MHS bessergestellt als Ihre Lehrer.

Dass der LA zur Sicherstellung eingesetzt werden kann – diese Sonderstellung sollte einst eine bessere Bezahlung der LB an MHS gegenüber LB anderer Hochschularten begründen  – und dies unbegrenzt, hat zu einem missbräuchlichen, massenhaften Einsatz dieser Werkverträge an den MHS geführt.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen des LA werden den realen Pflichten der Menschen im LA gegenüber Lehre und Studierenden und den Bedürfnissen der Studierenden an den MHS nicht gerecht. Sie schränken die freie und qualitative Entfaltung der Lehre im LA ein. Durch die Umstellung auf Bachlor/Master hat zudem eine Intensivierung der Betreuungssituation stattgefunden und damit ein Verschärfung der prekären Lehrsituation, die übrigens nicht nur die LB betrifft.

Ebenso wird ein möglicher positiver Einfluss der LB auf die Gesamtentwicklung der MHS verhindert.

All dies stellt neben der prekären finanziellen Situation (keine nennenswerte Erhöhung der Honorare seit 1988) eine reale Gefahr für die Qualität der Lehre und den Frieden in den MHS dar.

Wir sind der Meinung, dass die rechtlose Situation der LB in dem speziellen Fall der MHS autoritäre Strukturen befördert und notwendige Reformprozesse, die aus den MHS im Rahmen der Hochschulautonomie selbst entwickelt werden müssten, verhindert oder erheblich verlangsamt.

Fazit: Für die MHS muss entweder ein eigenes MHS - Gesetz geschaffen werden, das der besonderen Lehrsituation dort gerecht wird oder es müssen politische Massnahmen ergriffen werden, die Vertrags - und Personalstrukturen an den MHS grundlegend zu ändern. Beides ist wohl zur Qualitätssicherung und den effizienten Einsatz der Finanzmittel an den MHS notwendig. Alles im Hinblick darauf, dass wir junge Menschen für einen äußerst schwierigen, konkurrenzstarken Arbeitsmarkt fit machen müssen.

Um Änderung des Gesetztestextes bitte ich bei § 9 Absatz 4, Satz 4 (aktives Wahlrecht)

Statt: „Dasselbe gilt für Lehrbeauftragte an Musikhochschulen“:

„Die Lehrbeauftragten an Musikhochschulen besitzen auch das aktive Wahlrecht“ (unabhängig von der Stundenzahlt des LA).

Das MWK gab mir die Auskunft, dass der Absatz so zu verstehen sei, er wird in den MHS aber teilweise anders interpretiert (kein Wahlrecht für LB unter 4 Stunden). Das wäre eine deutliche Verschlechterung unserer Situation.

Mit freundlichen Grüßen,

Ulrike Höfer

Stellv. Sprecherin bklm/lklm

Senat MHS Freiburg