23. April 2018

Lehraufträge sollen das reguläre Lehrangebot ergänzen, nicht
sicherstellen

Stellungnahme des DHV-Landesverbandes Bayern

Der Landesverband Bayern im Deutschen Hochschulverband (DHV) begrüßt
die Bemühungen um einen sinnvollen und angemessenen Einsatz von
Lehrbeauftragten an den Universitäten und Musik- und Kunsthochschulen
Bayerns. Denn der Lehrauftrag ist ein wesentliches Element der
akademischen Lehre.

Die Praxis der Erteilung und Verwendung von Lehraufträgen in Bayern ist
Gegenstand von Kritik geworden.

Lehraufträge sind Ergänzungen des regulären Lehrangebots. Sie dürfen
jedoch nicht dazu verwendet werden, das zentrale, reguläre Lehrangebot
sicherzustellen. Diese Praxis ist insbesondere an den Musikhochschulen
und den Sprachenzentren einiger Universitäten Bayerns verbreitet, wie
die Antwort der Bayerischen Staatsregierung vom 8. Dezember 2015 auf die
Anfrage des Abgeordneten Jörg (Würzburg) vom 4. März 2015 ergab
(Bayerischer Landtag, Drucksache 17/9516).

Dieser Missbrauch hat dazu geführt, dass in Bayern ein akademisches
Prekariat entstanden ist. Es besteht aus fachlich qualifizierten
Lehrbeauftragten; wären sie nicht qualifiziert, dürften ihnen keine
Lehraufträge erteilt werden.
Der DHV hält an der Personalkategorie "Lehrbeauftragter" fest.
Lehrbeauftragte sind keine Arbeitnehmer und sollten es auch nicht
werden. Dass die Universitäten in ihrer finanziellen Not zunehmend zum
Instrument des Lehrbeauftragten greifen, um Lücken im Lehrangebot zu
schließen, ist zwar verständlich, aber kritikwürdig.

Lehraufträge dienen der Arrondierung des Lehrangebots und der
Verklammerung mit der beruflichen Praxis außerhalb der Universitäten.
Der Zweck von Lehraufträgen liegt nicht darin, Professoren und
wissenschaftlichen Mitarbeitern vorbehaltene Lehraufgaben für wenig
Geld zu delegieren. Deshalb sollte Pflicht- und Wahlpflichtlehre
grundsätzlich nicht von Lehrbeauftragten wahrgenommen werden. Wenn
Lehrbeauftragte faktisch dauerhaft Dienstaufgaben wahrnehmen, müssen
reguläre Beschäftigungsverhältnisse als Hochschullehrer oder
wissenschaftlicher Mitarbeiter geschaffen werden.

--
Deutscher Hochschulverband
Pressesprecher
Dr. Matthias Jaroch
Rheinallee 18, 53173 Bonn